Zur Abwechslung mal ein längeres Zitat. Ich finde es lustig.

Der Unteroffiziersunterricht (Jürgen von Manger)

Personen: Major * Unteroffizier * Soldaten

Soldat: Achtung – fuffzehn – er kommt. Achtung!! Stube 105 – belegt mit 14 Mann – zum Unteroffiziersunterricht angetreten. Ein Mann zum Kartoffelschälen kommandiert, ein Mann wegen Darmverstimmung im Revier.

Unteroffizier: Hinsetzen! Ruhe jetzt! Setzen Sie sich grade hin! – nein, hier vorne Sie, mit die Blumenkohlohren! – Vordermann! Seitenrichtung! Herrschaften, ich bin ein gemütlicher Mensch. Aber wenn Sie glauben, dass Sie es mit mir vielleicht machen könnten, dann … äh … können Sie es nämlich nicht! Der Major schleicht durch de Gänge, ich hab keine Lust, mich jeden Tag anscheißen lassen. Immer wegen Stube 105. Ja, da brauchen Sie auch gar nicht lachen, hören Sie bloß auf mit Ihren feudalen Grinsen, sonst raucht dat aber mal hier im Karton. So, jetzt geht es los! Unteroffiziersunterricht – Thema »Körperpflege und Gesundheitsreinigung«! Wat macht der Soldat, wenn er morgens aufsteht – Sie! Nein, hier vorne, mit die Blechbrille!

Soldat: Beten, Herr Unteroffizier.

Unteroffizier: Ja, beten – passen Sie ja auf, wenn Sie hier ein Vorgesetzten verkackeiern wollen! Auf! – Hinsetzen! – Auf! – Hinsetzen! – Auf! Junge, Junge – wie so eine schwangere Wanze. Sie sind vielleicht ein Heini! Setzen Sie sich hin, dass ich Sie nich mehr sehn muss, Sie nasser Sack! Ich will jetzt nochmal alles erzählen – dass mir das jeder hinterher aufsagen kann! Also! Dat erste, wenn der Soldat morgens aufsteht, dann putzt er de Zähne. Warum? Weil in der Nacht haben sich da so … äh … Kartoffelstückchen dazwischengesetzt, und dann tun die faulen. Und dann wäscht er sich. Womit macht er dat? Da vorne – sagen Sie auch mal wat!

Soldat: Mit Seife, Herr Unteroffizier.

Unteroffizier: Nein, is Blödsinn! Mit nackten Oberkörper. Überallhin bis runter auf de Beine … oder nicht de Beine, Hauptsache sind ja de Füße. Weil da gibt es Soldaten mit ganz gefährliche Käsemauken. Und das is schon eine schöne Unkameradschaft, wenn die andere Kameraden immer den sein Käsegeruch in der Nase … äh … rumriechen müssen. Da ham die kein Intresse für. Zum Schluss geht der Soldat auch unter de kalte Brause. Aber hier, richtig druntergestellt, nich so ängstlich wie’n klein Mädchen, sondern richtig ganz kalt! Das is dann nämlich besonders gut für de Weiber … oder woll’n ma sagen, dass der Soldat nich so scharf is auf de Weiber, da ist das gut für. Eine »Kneippkur« nennt man sowat … weiß ich auch nich, wie dat im einzelnen funktioniert-

Major tritt auf.

Unteroffizier: Achtung!!! Unteroffizier Tegtmeier und Stube 105 mit 12 Mann bei’n Unteroffiziersunterricht. 1 Mann beim Kartoffelschälen. 1 Mann mit Darmverschlingung abkommandiert.

Major: Ja! Schön! Dann lassen Sie mal wieder hinsetzen.

Unteroffizier: Jawohl, Herr Major! (Mit ganz lauter Stimme:) Hinsetzen!

Major: Was machen Sie? Was haben Sie grade für ein Thema?

Unteroffizier: Äh … Thema is … äh … Körperpflege und Gesundheitsreinigung, Herr Major.

Major: Na ja, das ist ja auch immer sehr wichtig. Gut! Schön! Also dann fahren Sie fort, ich möchte mir das jetzt anhören. Erzählen Sie mal weiter!

Unteroffizier: Ja … Herr Major, is aber nix mehr … also woll’n ma sagen, is alles erzählt, wat da so zum Sagen war … dass de Leute jetzt schön Bescheid wissen. Ja … is grad vorbei, schade, dass Sie nich früher gekommen sind!

Major: Na, dann sprechen Sie mal über ein anderes Thema. Sprechen Sie mal über die Handgranate, nicht wahr, die Handgranate 33.

Unteroffizier (wenig begeistert): Jawohl, Herr Major!

Major: Also bitte!

Unteroffizier: Jawohl!! … Hinsetzen! … Grade hinsetzen! … Sitzen Sie Vordermann!

Pause.

Major: Nun fangen Sie doch an, zum Kuckuck!

Unteroffizier: Jawohl, Herr Major! Ich weiß nur nich, wie soll ich dat jetzt …? Soll ich selber erzählen, oder soll ich die Sachen mehr so aus de Leute rauslocken …? Woll’n ma sagen, richtig schön alles aus de Nase kitzeln?

Major: Ach was! Sie sollen erzählen! Seien Sie nicht so umständlich, das ist ja furchtbar mit Ihnen! Nun fangen Sie doch endlich mal an!

Unteroffizier: Ja, sicher! … Jawohl, Herr Major! Die Handgranate 33 … Scheiße!

Major: Was gefällig?

Unteroffizier: Jawohl, Herr Major! Äh … die Handgranate 33 heißt »33«, weil sie in den Jahre 33 … oder 1933 … als eine schöne Kanone in die Wehrmacht hereingeführt wurde. Sie ist die Steilfeuerwaffe des Schützen … also, mit ihr kann man auch hinter Berge schießen, Herr Major.

Major: Ja! Aber da sitzen die Leute, denen sollen Sie das erzählen! Ich habe den Unterricht nicht nötig, ich weiß das! Nun sehen Sie doch zu, dass Sie weiterkommen! Das ist ja ganz fürchterlich mit Ihnen. … Also, los jetzt!

Unteroffizier: Jawohl, Herr Major! – Fürchterlich mit mir! Die Handgranate 33 ist … wie ich bereits erwähnte … die Steilfeuerkanone des Schützen, und kann er mit hinter Berge schießen. Also, nur mal angenommen, Sie sind anne Front im Graben, bei de Infantrie sindse abgestellt, hammse Pech gehabt, und liegense in’n Graben. Und der Gegner … woll’n ma sagen, der is auch da … in sein’n Graben is der so zugange … wenn dann ein Berg dazwischen is oder ein Hügel, dann kann man de Handgranate schön oben drüber schmeißen. Und dann hat sie eine herrliche moralische Wirkung – also, dass der Gegner sich erschrecken tut … für den Knall. Ja, dann besteht die Handgranate noch aus drei Teile: Dat is erst mal der Stiel – dann der Topf mit den Schießpulver … oder nicht Schießpulver, mehr so Dinnamitt is da drin … und dann das kleine Porzellanknöpsken für zum Abreißen. Und wennse abreißen, müssense zählen: einundzwanzig – zweiundzwanzig – und müssense dat Ding auch schon in hohen Bogen dem Feind im Gesicht schleudern … oder am Kopp werfen … alles. Ich meine, Sie können die natürlich auch länger inne Hand behalten, ich hab mal einen gekannt, der hat dat versucht – deshalb sieht man den heute aber auch so wenig! Nä, dat war jetzt aber nur ein kleiner Scherz von mir. Thema beendet, Herr Major!

63 Gedanken zu “Zur Abwechslung mal ein längeres Zitat. Ich finde es lustig.

    1. Nein, nein, es ist eine Nummer vom ollen Tegtmeier. Ich selbst war nicht beim Bund. Ich habe lieber beim Kreuz gearbeitet. Das erschien mir sinnvoller. Außerdem durften wir da bei den Übungen wenigstens Zombies schminken. :>>

  1. Oh Mann Doc..;)

    ich habe mir beim durchlesen dieser herrlichen Geschichte den Tegtmeier vorgestellt – in sein schön‘ breitn Slang, wo er haben tut und wenner am Erzääähln is.
    Klasse Beitrag!! *ggg

      1. Anders kämen die Pointen wohl nicht so rüber.
        Tegtmeier hatte doch auch son Ausdruck geprägt, der mal in aller Munde war..“vermalledeite Pippikamatzität“ oder so ähnlich.

          1. Ist ja in diesem Falle eh keine Bildungslücke..;)

            Ich kenne ja auch nicht alle Gedichte von Heinz Erhardt, obwohl es fast meine Zeit war..als Bub !

  2. :>Sehr gut.
    Ein UFZ ist immer der Arsch.

    Der Admiral lässt einen angehenden UFZ zu sich kommen ,um den Standort des Schlachtschiffes im Meer bestimmen zu lassen. Nach einer halben Stunde übergibt der Anwärter ihm seine Berechnungen. Der Admiral sieht sich die Berechnung auf einer großen Karte an, dann sagt er:“ Anwärter, nehmen Sie die Mütze ab!“ Gesagt, getan.“ Ich werde Ihnen jetzt erklären, warum ich Sie die Mütze abnehmen lies… Nach Ihren Berechnungen laufen wir gerade in den Kölner Dom ein!“

    1. Ich fand es beim Bund immer zum schmunzeln, wenn der „UvD“, der eigentlich Hauptgefreiter war, die „exekutive Gewalt“ übernahm und sich wie der Kasernenchef fühlte..;)

      1. Ich war zwar nicht beim Bund (Zivi in einer KH Apotheke gemacht) , aber Kumpels die gedient haben erzählten das die meisten Unteroffiziere zur den größten Panemänern in der Kaserne zählten.

        1. Ich muss natürlich noch einräumen, dass ich es als Kind da etwas einfacher hatte. Schließlich haben fast alle um mich herum so gesprochen. Ein Onkel von mir hat ja sogar schon Jahrzehnte zuvor Herbert Knebel vorweg genommen.
          Dafür hast Du es aber bestimmt mit Badesalz einfacher.

          1. Herbert Knebel?

            Ei guuuude wie…. wo machsten hiiiiee… Ja. Badesalz kommt gut. *was hatten de babba in de tasch? Ei de babba hat de grappa in de tasch*

          2. Kennst Du die Nummer mit dem schlauen Bub, der zig Sprachen spricht? Da empfiehlt der eine von Badesalz dem anderen, den mal mit in die Wetterau zu nehmen – da verstünde er dann nix mehr. :))

          3. Reemtsma und Rauschenbach arbeiten mehr über bzw. mit den Arbeiten Schmidts. Weniger mit ihm selbst. Kurze Geschichte:
            Schmidt, in Hamburg geboren und dort die ersten Jahre aufgewachsen, musste mit den Eltern nach Schlesien ziehen. Dort musste er irgendwann mit dem Zug zum Gymnasium fahren. Im Zug fragte ein alter Schlesier ihn „Wu hi?“ und Schmidt, der keinen blassen Schimmer von dem Dialekt hatte, stand auf, verbeugte sich und sagte „Arno Schmidt“.
            (Der Bauer hatte ihn natürlich nur gefragt, wohin er fahren will. :)) )

          4. :)) Jahahaa… ICH hätte das verstanden… so ähnlich klingt das hier bei uns im Dörfle auch: „Wu willste dann hi?“ „Wu kimmst dou dann her?“

          5. Ich möchte behaupten, dass ich das sogar auch verstanden hätte. Aber ich habe es insofern leichter, als dass ich durch meine Anwesenheit über einige Sommer im Westerwald so weit mit süddeutschen Dialekten vertraut bin, dass ich sogar Letzeburgisch einigermaßen verstehen konnte.

          6. Von mir auch nicht… war mehr ein Scherrrz… ich habe natürlich wirklich Letzeburgerisch gelesen… und wieso heißt das nicht Luxemburgisch? Wenn Dir die Fragen zu doof sind… sag´s mir.. oder besser vielleicht nicht…

          7. Wenn ich das wüsste. Sowas bildet sich immer sehr eigen. Das gilt ja auch für Komposita: Mal gibt es ein Fugen-N, mal ein Fugen-S, mal gar nix. So ist Sprache nun mal – unlogisch.

          8. Jessas! Das hab ich ja noch nie gehört… Komposita…

            Beispiele: Brief + Träger > Briefträger, Abfahrt + Zeit > Abfahrtszeit, kaufen + Haus > Kaufhaus, Fußball + Stadion > Fußballstadion.

            Aber was meinst Du mit Fugen-N und Fugen-S?

          9. Ein Fugen-S hast Du z. B. bei Abfahrtszeit. Theoretisch könnte man ja auch Abfahrtzeit bilden. Macht man aber nicht.
            Fugen-N gibt es z. B. bei Instrumentenbau. Man könnte ja auch Instrumentebau sagen. Macht man aber auch nicht.
            Das sind zwar die häufigsten Zeichen, es gibt aber auch noch andere.

          10. Stimmt ey…! Hab ich noch nie drauf geachtet und auch noch nie diese Bezeichnungen gehört. Dachte erst an was mit Musik… wegen den Fugen… Kompositionen… Klassik und so…

            Dann gibt es aber auch noch das Fugen-R… wie z.B. bei Bild(er)rahmen :))

          11. Stimmt. Die (E)R gehören auch dazu. Oft ist das übrigens ein Genitiv, erkennt man beim „s“ noch gut, manchmal aber auch ein alter Genitiv wie zum Beispiel Sonnenstrahlen. Das waren früher mal „der Sonnen Strahlen“.

          12. Seit ich „Hessen à la carte“ regelmässig gucke, den hessischen Landfrauen zusehe, wie sie ihre herrlich deftigen Schmandgerichte zubereiten, verstehe ich auch diesen hessischen Dialekt! 😉

          13. Schmaaaaandkuchen! Ich liiieeebe ihn! Bei uns im Dorf heizen sie ab und zu das Backhaus bzw. den Ofen darin an. Dann wird Brot für´s ganze Jahr gebacken – und Kuchen aus Brotteig. Der Duft zieht durchs ganze Kaff… hmmmm…

          14. Ich sehe da unheimlich gerne zu. Allerdings wirklich nur, wenn diese Landfrauen auch diese alten und deftigen Gerichte kochen.
            Anfangs wunderte ich mich ja schon, dass Schmand für fast alles verwendet wurde. Nachdem ich nun selbst gerne Schmand esse, versteh ich es viiiiel besser..:)

          15. Ich hatte mal in einer WG einen Freund aus Berlin zu Besuch. Wir haben zusammen gekocht und ich bat ihn Schmand aus dem Kühlschrank zu holen. Er hockte mindestens zwei Minuten vor dem offenen Kühlschrank und sprach dann irgendwann, mehr zu sich selbst: „Schmand, Schmand… ick wees ja´ nich´ wonach ick suchen soll…“ :))Meine WG-Freundin und ich haben auf dem Boden gelegen vor Lachen….

          16. Das kann ich mir lebhaft vorstellen. Allein das Wort „Schmand“ könnte ja völlig anders gedeutet werden und erinnert -bei einiger Fantasie- an gewisse Worte aus dem „Jiddischen“ -wie Schmock usw..;)

          1. Pah! Lass mich doch in Ruhe… das ist üüüüberhaupt nicht lustig… *schmoll*

            Gynäkologie bei Eidechsen… Ich hab da mal eine in der Wohnung gehabt… hat meine Katze mitgebracht… die hat den Schwanz abgeworfen… die Eidechse… was macht die weibliche Echse wenn sie in Gefahr ist?

          2. Jahaha… stell ich mir lustig vor.

            Sach mal… Themawechsel… WO bitteschön stehen denn die Geburtsdaten? Gut von Dir weiß ich es jetzt – aber nicht von Muffy… bei Lilith ist es ja eindeutig… aber ich wüsste nicht, wo ich das in den Blogs finden kann.

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