Expedition zum Xocolatl-Tempel (4)

Nach einigen Serpentinen, die der Asfatl geschlagen hatte und denen wir zwangsläufig mit unserer Pirogue gefolgt waren, gelangten wir schließlich in den heiligen Bezirk, den die Wilden „Honnef“ nennen.*

Hier mussten wir dem Asfatl lediglich knapp zwei Meilen folgen, bis wir zum Tempelbezirk gelangten, wo neben dem Tempel für Coppeneur zu unserem großen Entsetzen bereits Tempel für die weit verbreiteten Gottheiten Aldi, McDonalds und Subway errichtet waren.**

Die neuen Tempel waren auch der Grund, warum unsere Führerin eine Zeitlang ratlos war, und den von uns gesuchten Tempel nicht auffinden konnte. Angesichts ihrer vorgeblichen Ortskenntnis hatte Qaqortoq es versäumt, im Vorfeld eine Satellitenkarte zu erstellen, mit der wir wenigstens einen gewissen Überblick gehabt hätten.***

Wir verließen nun unsere Pirogue an einem Landungssteg und irrten durch den Dschun- gel, der stellenweise durch riesenhafte, oben abgeflachte Pyramiden durchbrochen war. Schließlich versuchte die Enkelin der Eingeborenen mittels der Anrufung eines Geistes den Weg zum Coppeneurtempel zu finden.**** Derweil trennten wir uns und die alte Führerin schlug sich allein ein Stück in den Dschungel vor, so dass Qaqortoq und ich das Boot am Steg vor Schabernack bewahren konnte.

Der Tempel des Gottes Subway.

* Man vergleiche die phonetische Ähnlichkeit zu „Tinnef“. Leider hatte Qaqortoq bereits sämtliche Glasperlen und Spiegel per Buschpost nach Hause geschickt, um seine Verwandtschaft zu beeindrucken. Anderenfalls wäre es sicher interessant gewesen, die Reaktion der Eingeborenen auf diesen Tinnef zu studieren.
** Der Siegeszug des Gottes Aldi, einer zweigesichtigen Gottheit, deren Anbetung einerseits die Versorgung der Familie sichern soll, deren Hohepriester aber andererseits zahlreiche Menschen, auch Nichtgläubige, unterdrückt, ist längst legendär. Auch den Missionaren des farbenfrohen Gottes Ronald McDonald ist es inzwischen gelungen, mit dem Verkauf von Oblaten aus Sägespäne noch in die letzten Winkel vorzudringen. Inwieweit aber gerade der letztgenannte Kult die Verbreitung des Gegenkultes Subway auch noch fördert, ist zurzeit Gegenstand einer weitgefassten Studie von Ban Kim an der Universität Seoul.
*** Die wir aber, wie wir im Nachhinein erfuhren, eben gar nicht hätten erstellen können. Vgl. die Anm. o. zur Unmöglichkeit der GPS-Nutzung und der Magnetfeldverzerrung in Honnef. Übrigens ist es unnötig, zu erwähnen, dass im heiligen Bezirk Flaschen bergauf rollen.
**** Dazu bediente sie sich eines kleinen schwarzen Kultkästchens in das sie hineinsprach, und tat so, als höre sie Geiststimmen aus dem Jenseits. Eine sehr ähnliche Anrufung beschreibt schon Ron Sommer in seiner Dissertation über die Notwendigkeit, für diesen Kultdienst Gebühren zu verlangen. Ron Sommer, Gold und Silber lieb ich sehr (Göttingen 1986).

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58 Gedanken zu “Expedition zum Xocolatl-Tempel (4)

  1. Der Aldi Gott ist ja interessant, von dem haben sicher dir Römer später ihren janus abgekupfert! Ich stelle mir eben die wilden Schlingungen des Asfatl vor… meinst du der wird noch irgendwann einmal begradigt?

          1. Am Ufer, du Dösel… am Ufer entlang von Sklaven ziehen lassen. Man könnte natürlich auch ein Boot nehmen, das von Sklaven am Ufer gezogen wird. Oder man ruft Obelix an, der kann das auch :>>

          1. Und diesä rrriesiegen Haarrrebüschel? Das iest ja schlimmstes Gästrüpp, dass ich jä gesehen hab’… Dafür brrraucht man ja Kättänsägge!!!

          2. Von wäggän nurrr bei Vollmond! Wir chaben niecht mehr Vollmond und sieht trrotzdäm zum Fürrrchten aus! ich mache lieber Augän zu! *aushooool*

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