Betriebliche Mitbestimmung

Im aktuellen Freitag (offenbar nur in der Printversion) gibt es ein Interview mit Heinz-J. Bontrup zum Thema betrieblicher Mitbestimmung. Herr Bontrup schließt mit dem Satz „Keiner oder wenige sind so klug wie alle“. Hiermit tippt er das Grundproblem an, das er zuvor geschickt umschifft: Wenn wenige so klug sind wie alle, dann sind alle ja auch nicht klüger – wozu brauche ich dann den Mehraufwand, alle einzubinden? Diese Antwort bleibt Herr Bontrup dem Leser schuldig.

Dagegen würde ich sogar weitergehen und mit James Fenimore Cooper behaupten, dass alle niemals das Optimum bedeuten, sondern stets höchstens das Mittelmaß. Denn das ist schließlich das offensichtliche Problem der menschlichen Demokratie: Anders als Ameisen oder Bienen besitzen wir keine Schwarmintelligenz, die das Wohl jedes Einzelnen hinter das Wohl der Gruppe setzt. Deswegen kann bei unserer Gesellschaft immer nur ein Durchschnitt erreicht werden.

Das bedeutet zugleich, dass einzelne oder wenige Menschen sehr wohl klüger sein können als alle, sie können aber auch – wie man es im aktuellen Fall der Wirtschaftskrise mal wieder sieht – dümmer sein. Hierin zeigt sich dann auch die eigentliche Begründung für die Demokratie: Stetiges Mittelmaß kann eben besser sein als das Risiko, zwischendurch oder sogar dauerhaft einen „dummen König“ zu haben. Aber selbst dem demokratischen Mittelmaß droht Gefahr, wenn es sich nämlich von einer sich selbst überschätzenden Pseudoelite lenken lässt. Sinnvoller wäre da vermutlich ein funktionierendes System einer Demokratie gekoppelt mit einer wirklichen, positiven Avantgarde. Stellt sich nur die Frage, wie man die besetzen will, ohne erneut in die Elitefalle zu tappen.

Um Missverständnisse auszuräumen: Wer mich kennt, weiß, dass ich weder Royalist bin noch eine Diktatur haben möchte, aber man sollte die Augen genauso wenig vor der Problematik einer Dikatur der Massen verschließen. Und wenn man erfahren will, wie die funktioniert, muss man lediglich einen Blick ins Fernsehprogramm werfen.

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11 Gedanken zu “Betriebliche Mitbestimmung

    1. Hehe, ein sehr hübscher Film. 🙂
      Das größte Problem, dass wir heutzutage mit der „Elite“ haben, ist wohl, dass sie keine ist. Das, was sich selbst Elite nennt, hat nur einfach mehr Geld und Einfluss als der Rest.

      1. Na ja, das mit dem Geld ist ja nichts neues. Wir wundern uns wohl nur deshalb so über diesen Mist, weil wir so langsam wirklich zu einer verlotterten, korrupten Bananenrepublik mutiert sind! Wenn ich da an den ollen Fritz und die Elite seiner Zeit denke…
        Aber ein Monarchist bin ich wohl auch nicht!

        1. Das ist das, was ich mit Avantgarde meine: Es müsste im Wortsinne eine Vorhut sein, die verantwortungsvoll darauf bedacht ist, dass die anderen ihr auch folgen können. Die Geldelite denkt dagegen nur an sich selbst.

  1. Was wir brauchen, sind Führungspersonen, die den Bezug zur Realität haben, Eliten können niemals, den Bezug zur Realität erlerne, da sie abseits der Realitäten leben und ausgebildet werden!

    Wir Brauchen integere Demokratie, mit ehrenhaften, charakterstarken Führungspersonen mit einer funktionierenden Teilnahmemöglichkeit der Allgemeinheit am Entscheidungsprozess der Regierungsarbeit!

    1. „Das Mittelmaß ist ja bekanntlich das Maß aller Dinge“

      Ausgewogenheit, Verhältnismäßigkeit muss nicht zwangsläufig Mittelmaß bedeuten, ist auch auf höchsten Niveau möglich!
      Durch die Förderung des Selbstwertgefühls, der Vernunft, des Selbstvertrauens und der Bildung, entsteht konstruktive Kritikfähigkeit, Realitätsbezogenheit aber auch die Fähigkeit der selbstkritischen Betrachtungsweise der Menschen!
      Die heute von Allen angestrebte unermessliche Macht eine Mischung aus Respekt und Reichtum, ist nicht das Lebensziel, vereinfacht es auch so Manches, mit dem Anwachsen der Macht, wächst die Angst vor dem Verlust, was wiederum bewirkt, dass die Lebensqualität verloren geht!
      Der Mächtige wird der Sklave seiner Selbst!

      Das Lebensziel ist die Lebensqualität, diese wird durch Ausgewogenheit, Verhältnismäßigkeit erreicht!
      Ist jeder König, wird der letze Bürger zum Herrscher, denn jeder König benötigt ein Volk um König zu sein, folglich ist der Bürger der wahre Herrscher und die Könige sein Volk!

    1. Natürlich, das eine ist ja mit dem anderen verknüpft.

      (Ich hätte auch den Link zum Interview eingestellt, aber es scheint wirklich nur in der Printausgabe zu sein, wenn es nicht inzwischen im Netz nachgereicht sein sollte.)

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