Ich schreibe mir die Hacken wund

Als ich letztes Jahr für die Bekannte einer Bekannten eine Abschlussarbeit gelesen habe, amüsierte ich mich über die Fehlschreibung Gürtelhacken. Richtig wäre Gürtelhaken gewesen.

Mein Amüsement verschwand bald hinter einem Berg aus Verwunderung, als ich merkte, dass sie auch beim zweiten, dritten, vierten und allen weiteren Malen -hacken geschrieben hatte.

Woher, so fragte ich mich, kam diese Fehlschreibung? Es sagt doch auch niemand Angelhacken mit kurzem a im zweiten Wortteil. Soviel ich weiß, wird es überall von Einheimischen mit einem langen a gesprochen. Dachte ich jedenfalls.

Neuerdings sehe ich aber immer öfter, dass Leute statt Haken Hacken und statt Häkchen sogar Häckchen schreiben. Was ist das nur für eine Seuche? Haben die Menschen keine Ohren mehr? Oder sind sie nicht mehr in der Lage zu erkennen, ob etwas lang oder kurz gesprochen wird? Spätestens dann erkennt man es doch schließlich.

Es gibt natürlich ein Wort „Hacken“, zu dem man sogar das Diminutiv „Häckchen“ bilden kann. Das bedeutet aber ganz was anderes. Die ganz Doofen können mal überlegen, ob sie selbst draufkommen.

PS: Auch in der Kommentarbenachrichtigung von Blog.de steht schon lange „Häckchen“, ich weiß. Aber genauso bezeichnet Blog.de elektronische Post seit Ewigkeiten als Schmelzüberzug – trotz ausführlichem Hinweis!

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105 Gedanken zu “Ich schreibe mir die Hacken wund

          1. Wenigstens wird dadurch nicht der eigentliche Wortsinn verfälscht wie bei den Hacken, die eigentlich Haken wären..oder sein könnten..:))

        1. *haha* Ein Freund von mir sagte mal: „Da bin ich da hoch gefahrn gewesen.“ Ist doch auch nicht schlecht. Jedenfalls vergesse ich diesen Satz nie und benutze ich gerne so oft es geht… :))

          1. Oh, Doppelperfekt, ein besonderer Leckerbissen für den Stilisten. Dabei konstruiert der Duden tatsächlich Fälle, bei denen Doppelplusquamperfekt sinnvoll sein könnte (er empfiehlt aber eine Umformulierung).

          2. „Ich geh ma bei die Omma am Grab“..:))

            Jaja..die Menschen, die wo da im Pott wohnen, haben halt eine andere Sprache als wie die Bayern..:)):))

  1. PS: Eine Blogfreundin von mir schreibt z.B. „Kücken“ statt „Küken“. Ich wollte sie verbessern, hab das mal gegoogelt und musste erkennen, dass „Kücken“ tatsächlich eine zugelassene Schreibweise ist. Nun frage ich mich, ob die, die das so schreiben, auch so aussprechen? Ja, oder? Seltsame Sprache, die deutsche.

    1. In Deutschland und in der Schweiz ist nur Küken regelkonform. In Österreich ist dagegen Kücken erlaubt und wurde früher auch so gelehrt, wie ich weiß.

        1. Ich glaub, die kenn ich. Und ich glaube, wir hatten uns sogar schon mal darüber unterhalten. 😉
          Im Norden ist es definitiv falsch, es sei denn im Norden Österreichs. :))

          1. wir beide hatten uns schon mal darüber unterhalten? ehrlich? oder meintest du dich und meine besagte blogfreundin? ich habe sie aber gar nicht in deiner freundesliste gefunden…

          2. bestimmte dinge, die man unbedingt vergessen WILL, die vergisst man sowieso nie. und solche kleinigkeiten, die stören doch nicht weiter, oder? ich finde so ein erinnerungsvermögen bemerkenswert.

          3. Aktiv stören sie nicht. Aber wenn ich mir vorstelle, was an diesem Platz alles für wichtige Infos stehen könnten … :))

  2. Hatte vor einigen Tagen erst eine Diskussion..weil mein Sohn jetzt lesen und schreiben „kann“ (er kommt erst im Herbst in die Schule, lässt sich aber Einkaufszettel diktieren und beim letzten Mal hab ich ihm „Joghurt“ diktiert…und danach entbrannte eine Diskussion um die neue Rechtschreibung..irgendwie fürcht ich mich ja schon vor seiner Einschulung…..)

        1. Manches hat aber tatsächlich neue Freiräume geschaffen. Die Schreibung von ss oder ß geht beispielsweise nur noch nach der Länge des vorhergehenden Vokals. Deshalb ja der oben angeführte Unterschied Geschoss/Geschoß.

          1. naja..ich brauch keinen Freiraum in der Rechtschreibung…genausowenig, wie ich mich in der Grammatik selbstfinden will…..ich will Regeln, die logisch…bzw. nachvollziehbar sind….

          2. Aber der Freiraum zeigt sich bei dem Beispiel doch in der Regel: Der Freiraum ist die Aussprache. Wenn es nur eine Regel gäbe, müsstet Ihr in Österreich sicher heute alle Geschoss schreiben. Und Küken. Und und und.

          3. jetzt fängt er auch noch mit der Regel an…als ob er davon was verstünde….

            und überhaupt….wer sagt, dass ihr dann nicht Kücken schreiben müsstet…und,und,und?

          4. Das sagt die Masse: Die Schreibung Kücken wird nur von einer deutschsprachigen Minderheit verwendet. Nur gut, dass die Schweizer da auf unserer Seite sind. :))

          5. …ich muss an dieser Stelle aber nicht daran erinnern, dass EIN Österreicher es schon mal schaffte, eine ganze Masse Deutschsprachiger zu führen?….

            sorry, muss mich kurz mal für mich und diesen Kommentar schämen gehen….und mir die schriftliche Distanzierung davon überlegen…

          6. War’s Hindenburg, der ihn abschätzig einen „böhmischen Gefreiten“ nannte, weil er nur ein Braunau in Böhmen kannte? :))

            ach, du kennst doch meine zitate zur masse … 😉

          7. :))

            ja schon…aber es ist ja zur Zeit total modern, etwas von sich zu geben oder zu produzieren und sich gleich wieder davon zu distanzieren….hast du schon Filme auf DVD oder Blue Ray gesehen in letzter Zeit?

  3. Hilfe, das ist teilweise wirklich nervend!

    Wobei ich beim Bloggen zugeben muß, daß ich da auch schnell mal einen Fehler mache, weil ich gedanklich schon wieder mal viel weiter bin als beim Tippen!

    1. Fehler aufgrund von Tippgicht sind aber immer noch was anderes als permanente Falschschreiberei. Und unbelehrbare Falschschreiberei, die dafür sorgt, dass Texte unverständlich bleiben, nervt wirklich.

      1. Da gebe ich DIr mehr als Recht, lieber Totte. Daher lasse ich das tippgichtbedingte große „I“ auch so stehen, welches mir immer so gern wieder mal unterkommt.

        Alles Andere nervt mich ebenso! :yes:

  4. Email heißt bei denen Fondant? Wer hätts gedacht… :))

    Ich leide ja auch an Tippgickt, aber alles mit ZettKa zu schreiben, das ist schon sehr….

    (kennst du das auch? Zett-Ka? Nervt mich tierisch!!!!)

  5. Wo mag da nur der Haaken sein?

    In Berlin, im Spandauer Viertel (heute Berlin Mitte) gibt es einen Platz, der schon seit langer Zeit „Hackescher Markt“ genannt und geschrieben wird. Gebaut wurde er (Straße / Platz und Häuser um 1750 nach Anweisung und unter Leitung des Stadtkommandanten von Berlin, General Hans Christoph Friedrich Graf von Haake, nach dem das alles dann auch „Haakescher Markt“ benannt wurde (- und nicht etwa nach der Haakeschen Post=Wagenfabrik, Linienstraße 131 und 132).
    Irgendwann dann haben sich Sprech- und Schreibweise gewandelt, heute heißt das Hackescher Markt, und auch in neueren Publikationen wurde der Eigenname des Generals einfach umgeschrieben/angepaßt: Hacke (Hake) – passt schon! :))

    1. Du nennst die entscheidenden Begriffe: gewandelte Sprech- und Schreibweise. Ich hab noch niemanden bewusst Hacken sagen hören, wenn er Haken meinte. Eine leichte Tendenz, das gebe ich zu, kann man im Thüringischen beobachten, auch in bestimmten sächsischen Gebieten.
      In derselben Gegend kann man dagegen beobachten, dass es analog zur vom Standard abweichenden Aussprache gewisse Probleme bei der korrekten Schreibung von worden/wurden gibt. Zuweilen erscheint der Vokal ausgewürfelt.

      1. OK, in Sachsen und Thüringen war ich noch nie, und wenn ich dort wäre und diees fiele mir auf, wüßt‘ ich’s nicht zu bewerten, ob’s nicht schon immer so war oder eine Neuigkeit ist. Im letzteren Fall wäre es eventuell alarmierend: liegt’s an Chlor-/Flourbeigaben im Trinkwasser? Rinderwahn? Schweinepest? Fußball-WM?

        Es sollte sich niemand etwa einfallen lassen meinen schönen Namen in „Mua“ oder gar „Muh“ umzureimen: der hätte aber alsbald Kacke an der Hacke!

        Im Ernst gefragt: wie mag so etwas zustande kommen?

        1. Wie lange das da so ist, weiß ich auch nicht. Mir fällt eben nur auf, dass sich die Fehler häufen. Seltsame Sache, das.

          Keine Ahnung, nicht richtig gelernt und dann so geschrieben, wie sie es von der Umgebung (und sich selbst) hören?

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