China-Test (8) (Wieder im Vollbesitz meiner magigen Säfte)

Chopstix (Giradetzentrum, Essen)

Nice try oder außen hui, Essen pfui, so lautet wohl die Kurzform dieser Kritik. Aber ich will mich ausnahmsweise in Details ergehen, weil sie mir so im Gaumen stecken- und zwischen den Zähnen hängengeblieben sind: Die Einrichtung, u. a. etliche Kopien von mehreren tausend Jahren alten Bronzegefäßen, war sehr hübsch. Die Bedienung, insbesondere der dort tätige männliche Asiat, ist salopp. Darüber hätte ich bei ausgezeichneter Küche noch hinwegsehen können. Aber. Genau, das GROSSE ABER: Die Pekingsuppe war der inkognito reisenden Testteilnehmerin deutlich zu scharf (trotz fehlendem Hinweis), meine Frühlingsrolle wirkte dagegen zunächst lecker kross (das Äußere erinnerte mich sogar an die doppelt frittierte Rolle von diesem Lokal). Und kross war sie eigentlich auch. Sie war nämlich so kross, dass knapp die Hälfte der Rolle beim Zerteilen vom Teller zu springen beabsichtigte.

So geht’s ja wohl nicht, mein Herr!

Ich möchte jedoch nicht kleinlich sein. Deshalb war mein Urteil nicht vor dem Hauptgericht gefällt. Ich selbst hatte eine Ente mit Hoisinsoße bestellt zu eher unzivilen Preisen (man gönnt sich ja sonst nix!). Die Dame in inkognito (hallo, Mama!) bestand auf einer Ente mit Orangensoße.

Wieder eine faszinierende Optik: Die Orangensoße, die ich bislang als transparente Soße kannte, war hier eingedickt, beinah milchig und gemahnte in Textur und Färbung an Vanillepudding. Meine Hoisinsoße dagegen war anders als sonst leicht lila(!) eingefärbt. Sofort erinnerte ich mich an eine Nudelsuppe, die ich durchaus schätze – und zu meiner Überraschung hatte die Hoisinsoße geschmacklich sogar einen leichten Ton dieser Suppe.

Natürlich haben wir uns von der Optik nicht ins Bockshorn jagen lassen (und es heißt Bockshorn, nicht Boxhorn, wie ich es einst von einem NDR-Wetterfrosch in einem Gastbeitrag für ein schmieriges Dorfblättchen lesen musste; aber Herr Schrader wird eben nicht fürs Schreiben bezahlt, sondern dafür, dass er in einem grünen Ganzkörpertrikot auf einer Miniaturleiter in einem Einmachglas herumklettert). Zunächst öffneten wir die Reisschale. Die nächste Überraschung: Gut, man muss zwei Gästen keine Tonne Reis servieren, das sehe ich durchaus ein. Gibt es aber keine kleinen Reisschalen, sodass dem Gast erspart bleibt, aus einem mannsgroßen Blechtrog die einzelnen Reiskrümel zu klauben?

Ich war noch erstaunlich gut gelaunt. Wirklich wahr. Das muss die Vorfreude auf die Ente gewesen sein. Nicht umsonst hatte ich als Kind immer die Enten im Park gefüttert. Jetzt wollte ich die Ernte meiner Saat einholen!

Wir füllten auf. Probierten. Und sahen uns stumm an. Meine Ente war zäh. Die Ente meiner Mutter war zäh. Was sie bei uns beiden an Reis gespart hatten, hatten sie meiner Mutter als Orangenscheiben auf die Platte geworfen. Mir selbst blieb dagegen ein Gemüse, das viel zu kurz im Wok geschwenkt worden war. Zum Ausgleich dazu war es schlecht geschnitten. Nein, du Asiatenkoch, auch wenn ich ein großes Maul habe, esse ich normale Gemüsezwiebeln trotzdem lieber kleiner geschnitten als nur halbiert. Erst recht, wenn sie noch fast roh sind.

In China gehört es sich bekanntlich, nicht alles aufzuessen, um den Gastgeber nicht zu beschämen. Ich glaube, ich habe noch nie ein chinesisches Lokal so wenig beschämt wie dieses hier.

0/5 Sterne – sorry, ich entscheide lieber selbst, ob ich einmal oder 50 Mal kauen möchte.

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61 Gedanken zu “China-Test (8) (Wieder im Vollbesitz meiner magigen Säfte)

  1. Das hört sich alles schlimm an! Vielleicht hättest du mit deinen megischen Säften lieber was zu essen zaubern sollen?
    Schöne Grüße an die werte Frau Mama!

    ps: aber sag mal, wer war denn nun die Dame in inkognito???

          1. Also, wenn ich deine Schwester oder Mutter wär, ich würde hier alles lesen, ALLES, inkl. der Kommentare. Und dann würde ich dich damit piesacken, was du doch für bekloppte Blogfreunde hast. :))

          2. Ich bin gezwungen worden – von Taste! Sie hatte doch diese fiesen Bilder von mir, die auf dem Bärenfell. Was sollte ich machen? :))

          3. Ist so. Ich muss sowas sehen und kann dann sagen „Ja, gut“ oder „Gehen Sie bitte weiter, hier gibt es nichts zu sehen!“. :))

          4. Natürlich. Aber es sind wage Schemen, die ich schlecht beschreiben kann. Ich kann nur so viel sagen: kein Hintern wie ein Brauereipferd und kein Hintern wie ein fünfjähriger Junge. Irgendwo dazwischen, aber das muss ich mit einem aktuellen Bild abgleichen. 😉

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