Menschen (Eben beim Einkaufen)

Auf einer belebten Einkaufsstraße komme ich an einer gutgehenden Metzgerei mit allerlei Fressbarem vorbei. Mitten vor dem Eingang fläzt sich ein Hund, ein Golden Retriever. Genau. Das ist die Rasse mit dem herbeigezüchteten Gendefekt, der sie bissiger macht als manchen Staffordshire. Der Hund leckt sich zwischen den Beinen, das können die nun mal. Zwei Omas kommen an der Metzgerei vorbei, kennen sich offenbar nicht. Die eine bleibt stehen, guckt sich den Hund an, lacht. Die andere bleibt auch stehen, lacht mit. Die eine meint grinsend: „Na, ist das gemein, da muss der Hund ausgerechnet vor der Metzgerei sitzen und die leckeren Sachen riechen.“ Die andere pflichtet ihr bei, beide kommen ins Gespräch, plappern über Hunde und die schlechte Welt.

Ich gehe weiter, an ihnen vorbei, da seh ich hinter der Traube, die sich an den Omas bildet, den Bettler sitzen, der schon seit Monaten (mindestens) jeden Samstag hier sitzt. Er ist relativ gepflegt, stinkt nicht, trinkt nicht in der Öffentlichkeit, pöbelt nicht herum. Sitzt nur stumm da. Zu dem sagt keiner was. Keiner bemitleidet ihn, dass er da an der Metzgerei sitzt und die leckeren Sachen riecht. Sicher, er könnte sich ja auch woanders hinsetzen. Wo man ihn noch weniger sieht.

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15 Gedanken zu “Menschen (Eben beim Einkaufen)

  1. Mir fällt so etwas auch manchmal auf, das ist schlimm. Ich gebe eigentlich immer einige Münzen und wenn ich lese, dass es auch Banden gibt, die damit gut verdienen, ist mir das egal. Lieber werde ich einmal betrogen und kann anderen dafür ein bisschen helfen.

    1. Ich gebe am ehesten, wenn mir der Mensch auch sympathisch ist. Übrigens nehmen viele Bettler auf Nachfrage auch Naturalien an, also beispielsweise ne Dose Ravioli. Und die wird sicher nicht an irgendwelche Banden abgeführt. 😉

  2. Mir tun die Bettler auch oft Leid und laufe immer mit nem schlechten Gewissen an denen vorbei, wo ich Essen und Geld im Beutel hab.
    Aber ich trau mich nicht, denen etwas zu geben. 😦

    1. Siehst Du, genau DAS ist das Problem: Die, die am wenigsten haben, wollen am ehesten geben.
      Ich war ja früher beim Roten Kreuz, da gab’s auch jedes Jahr die große Altkleidersammlung. Besonders beliebt waren bei uns Packern die Reichenviertel, da standen vielleicht vier Säcke in einer langen Straße. In den ärmeren Vierteln standen dagegen sechs bis acht Säcke vor jedem Haus.

  3. Mein Mitleid gilt denen, die den Mensch neben dem Tier nicht mehr sehen. In meinen Augen sind diese ärmer als der Bettler. Nein, es ist kein Mitleid,… es macht mich traurig.

      1. Ja, nicht wahr? Wirklich seltsam. Solchen Situationen begegne ich immer öfter und jedes Mal frage ich mich, woran es wohl liegen mag, dass der Mensch immer mehr dazu neigt, das Tier eine Stufe vor sich zu setzen. Und ich habe keine Idee.

        1. Hm. Alles ist relativ. Es gibt Situationen, da halte ich Tiere auch für die besseren Menschen. Aber die Szene heute fand ich schon sehr kurios. Ich mein, Hund und Bettler saßen auf Augenhöhe und nur knapp zwei Meter voneinander entfernt. Aber alles guckt nur auf den Hund.

  4. ich habe schon humpelnde bettler gesehen, die sich unbeobachtet fühlten und plötzlich davongesprungen sind wie junge rehe. oder letztens einen, der mit einem leeren starbucksbecher völlig angepisst dreinschauend dasaß. in den becher sollte das geld. neben ihm stand eine coke und eine schachtel kippen. in der hand gerade eine brennende zigarette. gehts noch?

    PS: ein bettler, wie du ihn beschreibst, ist doch relativ selten. sollte mir so einer begegnen, kriegt der was von mir. und wenn es vor einem metzger ist, kriegt der irgendeine wurst oder sowas. dieser sitzt nämlich sicher nicht umsonst genau dort…

    1. Vermutlich. Ich finde ihn für einen Bettler auch recht sympathisch. Ich kenn ja vom Sehen und Angeschnorrtwerden das eigentliche Gesocks im Viertel. Die kommen immer mit denselben total überdrehten und absolut schwachsinnigen Geschichte an. Inzwischen brech ich das „Gespräch“ bereits ab, wenn die nur zwei Worte an mich richten. Und nein, das sind keine Punks.

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