Im Voodoo-Museum (6)

Wie jeder weiß, ist Sklaverei eine echte Zweiklassengesellschaft. Aber es gibt auch für Sklaven solche und solche – zumindest hinsichtlich des Glaubenssystems. Die einen hatten Pech, kamen in pietistische und andere puritanische Kolonien. Die anderen hatten Glück im Unglück und landeten in einer katholischen Kolonie. Kamen sie hier lebend an, hatten sie nämlich einen Vorteil: Unter dem Deckmantel des Heiligenkults konnten sie wenigstens ihre alten Götter weiter verehren. Sie nahmen einfach die Eigenschaften der Heiligen, suchten sich dazu ihren passenden Voodoogott und beteten ihn auf diese Weise an, ohne dass ihre Herren etwas merkten. So entsprach beispielsweise der Gott Legba dem Heiligen Petrus.

Ähnliche wie die Voodoopuppe voller Nadeln ist auch der Zombie, wie wir ihn kennen, natürlich eine Erfindung Hollywoods. Dennoch gibt es auch im Voodoo Zombies. Im Museum stehen sogar mehrere herum. Henning Christoph zeigt uns eine mit kleinen Perlen geschmückte Flasche und stellt uns den Inhalt vor: „Das ist ein Zombie. Ein Zombie ist nämlich ein Flaschengeist.“

Um ihn zu erschaffen, muss man nachts zum Friedhof gehen, dort Knochen eines Verstorbenen sammeln und diese Knochen zusammen mit Kräutern in eine Flasche füllen. Die mit einem Korken verschlossene Flasche mit den Innereien wird dann vom Voodoopriester besprochen und der Flaschengeist ist erschaffen. Will man sich den Geist zu Nutze machen, nimmt man den Korken raus, steckt eine Kerze oben drauf und zündet sie an. Der Voodoopriester spricht dann Zauberformeln und sobald die Kerze abgebrannt ist, kommt der Zombie aus der Flasche heraus, um seine Aufgabe zu erfüllen. Wenn er damit fertig ist, kehrt er automatisch zurück in die Flasche, die dann wieder mit einem Korken verschlossen wird – bis zur nächsten Aufgabe des Zombies.

Wer das alles mal in echt sehen und erleben möchte, der begebe sich bitte schnellstmöglich ins Voodoomuseum.
Das Museum hat donnerstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, bzw. freitags von 18 bis 22 Uhr. Der Eintritt ist für ein Privatmuseum mit diesen Exponaten und der fantastischen Führung äußerst fair, man kann aber gern etwas zusätzlich spenden oder noch ein Aphrodisiakum oder etwas Schmuck im Gift-Shop erstehen. Hennig Christoph hat außerdem zwei Bücher geschrieben und verkauft sehr gelungene Fotografien von Voodoozeremonien. Nicht zuletzt lohnt sich ein wiederholter Besuch, weil der Ethnologe über ein großes Lager verfügt und einige Ausstellungsstücke mehr oder weniger regelmäßig austauscht. Zudem kann man über ihn afrikanische Kunst erstehen.
Ihr wisst, ich mache selbst nur wenig Werbung in meinem Blog, aber dieses Museum hat es wirklich verdient. Und glaubt mir, ich habe nur einen Bruchteil dessen erzählt, was ich im Museum erfahren habe!

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13 Gedanken zu “Im Voodoo-Museum (6)

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