I met a man, he was a good man

Mehr noch als reiner Lärm stören die bewegten Bilder, die durch überdimensionale Fernseher oder LED-Leinwände mittlerweile den öffentlichen Raum zuhauf verschandeln. Sie belästigen gewöhnlich weniger durch akustische Störgeräusche – zuweilen sogar das –, aber dafür sehe ich in ihnen während der Massennutzung eine echte Gefahr für die Gesellschaft.

Die Ruhigstellungsapparaturen, die oftmals an Bahnhöfen und Plätzen errichtet sind, wirken nämlich ähnlich wie Soma in Huxleys Brave New World: Sie betäuben die Massen und sorgen dafür, dass die Menschen nicht auf dumme Gedanken kommen. Die Blicke der Menschen in Sichtnähe dieser Lichtwände werden geradewegs magnetisch angezogen, unwillkürlich glotzen sie auf die bewegten Bilder. Ihr Blick fällt dabei so leer aus, dass man von außen erkennen kann, dass ein EEG ihres Hirns in etwas dasselbe Signal ausgeben würde wie das EKG eines Herztoten. Diesen Effekt kann man übrigens schnell im Kleinversuch reproduzieren: Man nehme eine Party, bei der die Gäste mehrheitlich schon auf einer Couch in Nähe eines TV-Gerätes sitzen, schalte den Apparat ein (es reicht Bild, der Ton kann sogar ausgeschaltet bleiben!) und es wird nur wenige Minuten dauern, bis die Mehrheit selbst bei Fortsetzung der Gespräche nur noch auf die Mattscheibe stiert – scheißegal, was läuft!

Künstlich bewegte Bilder lähmen einfach den Verstand und zwar auf eine andere Weise, als lange Zeit unterstellt wurde. Fernseher verdummen weniger direkt, sondern eher dadurch, wie sie das Zerebralsystem anregen oder in den Schlaf wiegen. Nicht umsonst werden an Bahnhöfen Heititei-Meldungen und sanfte Inhalte transponiert. Deshalb passt es ja auch so wunderbar, dort Clips mit Shaun, dem Schaf zu zeigen!

Noch werdet Ihr lachen, aber ich sage Euch, die Zeit wird kommen, da wird man öffentliche Umweltverschmutzung durch Licht und bewegte Bilder verteufeln wie heute das Rauchen. Und es wird richtig sein! Denn diese optische Zwangsverschafung des Menschen ist der geistig-körperlichen Gesundheit des Einzelnen weit weniger zuträglich als eine ordentliche Kippe Rothändle. Daher grüße ich ab sofort mit: „Teer & Raucherbein!“

Hinweis für die S21-Fuzzis: Baut ein paar solcher Dinger wurfgeschossgeschützt auf und Ihr werdet die Demonstranten schneller ruhig kriegen als Ihr „unterirdisch“ sagen könnt.

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34 Gedanken zu “I met a man, he was a good man

  1. Gerade gestern ist mir das so gegangen… ein Riesenflachbildschirm in einem Wartesaal und ich habe versucht mich zu zwingen NICHT hinzustarren, musste mich dafür aber auf die andere Seite (also unter den bildschirm) setzen und war dann total abgelenkt von den Tönen und von den automatischen Blicken der Mitwartenden…

    Aber sag nix gegen Schafe! Die können nix dafür.

    1. Lustig, ne? Ich guck auch immer absichtlich woanders hin. Und wenn ich mir die Leute angucke, die da hinstarren. :>>

      Natürlich sind Schafe okay. Aber ich möchte nicht als Schaf enden. Du weißt doch noch, wo die hinkommen?

      1. Jahaha… das mache ich dann auch am liebsten: die Leute beobachten, wie dämlich sie aussehen, beim Versuch nicht hinzustarren… :))

        Ähm… in die Seife?

          1. Doch, ich fahr jetzt los. Wollte sicherheitshalber heute noch mal mit dem Auto fahren.

            SCHLACHTEN! SCHLACHTEN IST DAS WORT!
            Und ich will nicht geschlachtet werden. Es reicht mir schon, ausgenommen zu werden. :>

          2. Vergiss die lila Inlet-Schuhe nicht!

            SCHLACHTEN?! Achso… hätt ich Dir gleich sagen können. Ich bin ja auch bekannt als… ach lassen wir das. :>>

  2. Ich finds in Köln in der U-Bahn lustig (ist aber sicherlich auch überall sonst so): Riesen-Bildschirm hinter den Gleisen, alle starren hin – aber damit keiner überfahren bzw. vom Zoch mitjenommen wird, gibt ne Warnung bei einfahrenden Zügen. Danke, liebe KVB!

      1. Mehr so’n unterirdischer Schwehlbrand.
        Immer gerade so viel Nährstoff, dass es nicht aus geht,
        manchmal sogar auflodert, aber leider weder Löschmöglichkeiten, noch befreiender Großbrand in Sicht. :>

          1. Daran ist der Schneidermeister nicht interessiert.
            Der freiwilligen Feuerwehr vor Ort fehlen die Freiwilligen
            und die Schneider haben noch nicht genug Brandblasen,
            dass ihnen die Notwendigkeit von Brandschutz bewust genug ist.

            Hmmmm, nein der Vergleich hinkt etwas.

            Der Schneidermeister braucht nicht löschen, da er keine Gefahr eines Großbrandes befürchten muss, denn die Feuerteufel haben nicht genügend Brandbeschleuniger.
            Also braucht der Schneidermeister auch keine Löschdecken ausgeben.
            Und wenn die Glut doch mal ein paar Flammen auflodern läßt,
            reduziert man eben die Sauerstoffzufuhr.

            Naja, oder so ähnlich! ;D

  3. ich glotz da auch hin! aaaaaber: ich schlafe NICHT beim fernsehflimmern ein! ich habe mich erfolgreich gegen einen tv im schlafzimmer durchgesetzt. ich glaube, ich bin noch kein hoffnungsloser fall. glaubst du doch auch, totti. wa?!

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