Wir fleuchen und kreuchen …

An berufener Stelle hat sich Adorno bekanntlich über das Rennen ausgelassen:

Rennen auf der Straße hat den Ausdruck des Schreckens. Es ist schon das Stürzen des Opfers nachgeahmt in seinem Versuch, dem Sturz zu entfliehen. Die Haltung des Kopfes, der oben bleiben möchte, ist die des Ertrinkenden, das angespannte Gesicht gleicht der Grimasse der Qual.

Vor diesem Hintergrund ist es umso amüsanter, sich anzuschauen, wie verschieden die Menschen durch Bahnhöfe hetzen, pesen, rasen, wie sie eiligst trippeln oder weitschrittig springhopsen, wie sie unrhythmisch den Boden mit ihren Füßen schlagen, als gälte es, nach Art der Tarantella eine Armada aus Myriaden von Schaben, Tausendfüßlern und ähnlichem Getier zu plätten. Wie sie wie auf Kochplatten tänzeln, die auf die höchste Stufe gedreht sind, oder beinah supermanngleich mit waagrechtem Oberkörper durch den Bahnhof schweben, vorangetrieben nur durch zwei dürre Knochenstelzen mit zeitweiligem Bodenkontakt.

Kurz, der Mensch ist vieles, aber eines ist er ganz gewiss: lächerlich.

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28 Gedanken zu “Wir fleuchen und kreuchen …

  1. Lächerlich. Absolut lächerlich. Und gut beschrieben. Nie wieder werde ich durch einen Bahnhof hetzen, pesen, rasen, eiligst trippeln oder weitschrittig springhopsen ohne an diesen Eintrag hier zu denken.

      1. ich meinte das in bezug auf`s schauen.
        was ich da so alles gesehen habe…
        klar war es stressig.
        aber auch richtig gut.
        ich war übrigens bei der post,nicht bei der bahn.

          1. Stimmt, das gab es früher auch. Ich meine mich sogar noch dunkel an diese Wagen mit Postsäcken erinnern zu können, aber vielleicht ist das nur eine tradierte Erinnerung aus Film und Fernsehen.

          1. Doch. Und rate mal, warum ich die Bahn nicht bekommen habe. :>
            Okay, zugegeben, es könnte natürlich auch so gewesen sein, dass ALLE Uhren am Bahnhof falsch gingen. ;D

          2. Ich sag’s Dir: Ich kann auf dem Weg nach Hause 2 Bahnen nehmen, die eine, nennen wir sie X, fährt nur bis zum Hbf D’dorf.
            Gestern bin ich in eine Bahn gestiegen, die zu der Zeit losfuhr, als X fahren sollte. Oben beim Fahrer stand aber die Nummer der anderen, nennen wir sie Y, und als Ziel eine Station zwischen dem D’dorfer Hbf und meinem Zielbhf. Ich bin trotzdem, wie die meisten am D’dorfer Hbf ausgestiegen, hab aber gesehen, dass weiter hinten ein paar Leute sitzengeblieben sind. Beim Rausfahren stand nun die Nummer Y an der Bahn und als Zielbahnhof die nächste Haltestelle in D’dorf. Kurz: Die wollen einen wirklich verarschen, alles andere ist unerklärlich.

          3. Den hab ich gestern auch schon wieder gebraucht. Natürlich patzt die Deppenbahn (DB) ausgerechnet dann, wenn man Termine hat und anderen abends noch beim Umzug helfen möchte. :>

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