Der kläserne Konsument

Es ist ja total verrückt, wie detailliert Online-Shops über unser Konsumverhalten im Bilde sind. Hier mal eine Bazooka für den bösen Nachbarn bestellt – zack, schon bekommt man Einladungen zu Probefahrten mit dem neusten Schützenpanzermodell ins Haus. Da mal eben den größten Diamanten der Welt ersteigert – schwups, kriegt man zwölf Ölfelder vor Brasilien angeboten. Oder neulich, da hab ich mir eine Nullenergievilla auf der erdabgewandten Seite des Monds gekauft – keine zwölf Minuten später poppten in dem persönlich für mich programmierten Browser Firedocs erste Angebote für besonders edle grönländische Schattenmorellen auf.

Nu hab ich bekanntermaßen jüngst an prominenter Stelle ein frisch erstandenes Messerchen vorgestellt, das mir mein guter Kumpel David persönlich gebastelt hat – die Klinge ist mundgeklöppelt, der Griff handgeblasen. Findige Kaufleute des Internets haben gleich auf mein Posting reagiert und mir Folgendes empfohlen:

Leatherman Luxuswerkzeug Charge Del Rey, 1. Exemplar von 25 Stück, Griffe aus 18-karätigem Gold, inklusive Echtheitszertifikat in Geschenkbox aus poliertem Akazienholz

Tä, so nett, das Dingen aussieht, muss ich Euch ehrlich sagen: Es ist mir eindeutig zu aldi. Guckt z. B. mal bei Amazon, dem QVC unter den Onlinevershoppern. Da gibt’s das Klappzänglein bereits für läppische 39.000,– Eurotiker. Mal ehrlich und unter uns: Solche Münzlein werfe ich vielleicht in den Kaugummiautomaten um die Ecke oder schalte das Einkaufswäglein in meinem persönlichen Feinkostladen scharf, wenn mein Faktotum Passepartout frei hat und ich selbstpersönlich zum Einkaufen schreite. Aber ich verwende solche Erdnüsschen doch nicht, um sowas zu kaufen! Ha!

Ich bin ja mal gespannt, was für Angebote ich bekomme, nachdem ich vorhin diese tolle, neue schwedische Saugmaschine bestellt habe, um … äh … für … öh … also diesen neuen skandinavischen Staubsauger eben.

Tottes kleine Filmkritik: True Grit

Okay, trotz meiner Voreingenommenheit, weil ich sowohl die Coens schätze als auch ein riesiges Poster von John Wayne in der Hauptrolle des Rooster Cogburn im Wohnzimmer hängen habe, kann mich das Coen-Remake des Westerns von 1969 diesmal mit Jeff „Dude“ Bridges in der Hauptrolle nicht vollends überzeugen, weil die Coens für diese Geschichte einfach zu clean, zu steril drehen, wie es besser bei Darstellungen der 50er Jahre passt.

Fazit: Westernfans sollten reinschauen, aber nicht das Meisterwerk der Meisterwerke erwarten. Schade.