In diesem Sinne

Jene, die ersinnen, dürfen nicht leben. Man braucht regelmäßige, ruhige Tage, einen dem ganzen Wesen nach bourgoisen Zustand, innere Sammlung unter dem bonnet de coton, um Großartiges, Bewegendes, Nervenaufreibendes, Leidenschaftliches, Dramatisches ans Licht zu bringen. Die Leute, die sich allzusehr in ihren Leidenschaften verausgaben oder in ihren nervenaufreibenden Regungen, werden keine Werke schaffen und werden ihr Leben mit Leben erschöpft haben.

Die Tagebücher der Brüder Goncourt

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32 Gedanken zu “In diesem Sinne

  1. Ja, der Mensch braucht ruhige, entspannte Tage um wieder aufzutanken udn Kraft zu schöpfen für die Zeiten, die ihm alles abfordern.

    Wobei ich schon finde, dass man große Taten nur mit Herzblut und Leidenschaft vollbringen kann. Wo soll da die Grenze sein? Hm, … schwierige Frage …

          1. Mir sind im Leben zu viele Ziele unter den Füßen weggezogen worden, als dass ich noch im Glauben leben könnte, auch nur irgendeines zu erreichen.

          2. TOTTE! Wir zwei beiden haben schon darüber gesprochen: Enttäuschungen wird es immer wieder geben, trotzdem ist das Leben lebenswert! Vergiss das bitte nicht!

  2. Nachdem ich bei den Brüdern Goncourt zuerst spontan (O Schande!) an einen Heißluftballon dachte, weil mir bei „Brüdern“ immer gleich Grimm und Mongolfier einfallen, hat es aber dann doch noch klick gemacht: Prix Goncourt, einer der wichtigsten französischen Literaturpreise. Warum ich noch nicht auf die Idee gekommen bin, dieses Tagebuch zu lesen, weiß der Geier. Danke also für den Tipp!

    Ja, diese Brüder verstanden sich wohl auf das rechte Gleichgewicht zwischen Leben und Reflexion – wobei das Eine vom Anderen nicht wirklich zu trennen ist. Schließlich lebt der Mensch auch, wenn er ruht und denkt, nur eben nach innen hinein. Ich selbst fühle mich nie so (hirn-)tot wie nach einer zu langen Phase des Lebens nach außen.

    1. Da man erschöpft ja eigentlich nur vom Schöpfen (schaffen) sein kann, meinen die Goncourts vermutlich das, was man heute Burnout nennt, was also den armen Teufeln passiert, die an den Blödsinn glauben, dass man sich auf seinem Erfolg nicht mal einen Moment ausruhen darf. – Die klassische schöpferische Pause. Ich glaube, ich befinde mich gerade in einer.

        1. Im Ernst denke ich, dass hier sehr bewusst ein Wort mit mehreren aber nicht widersprüchlichen Bedeutungen verwendet wird. Ob ein Vorrat (auch der an Leben) erschöpft ist, ein Thema erschöpfend behandelt wurde, oder ob ich erschöpft bin… Immer ist von (exzessiven) Verbrauch die Rede. „Ausschöpfen“, das klingt für mich eher nach „nichts verschwenden“, und genauso sehen die unersättlich Lebenshungrigen ihr Tun. Sie wollen keine Lebenszeit verschwenden, taumeln von Erlebnis zu Erlebnis und hinterlassen nichts.

          1. Ich bitte hier zu beachten, dass es sich um eine Übersetzung handelt. Ich kenne derzeit leider weder die Originalsentenz noch ist mein Französisch so flüssig, dass ich mich aus dem Stand dazu äußern kann. Aber wenn der Übersetzer so gearbeitet hat, wie ich es vermute, sollte man sich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. 😉

          2. Nee, nee, ich zieh‘ den Kopf ja schon wieder ein. Das Buch steht auf meiner „Bestellliste“, und wenn ich es gelesen habe, wird aus dem Kontext einiges klarer werden.

      1. I haven’t any right to criticise books, and I don’t do it except when I hate them. I often want to criticise Jane Austen, but her books madden me so that I can’t conceal my frenzy from the reader; and therefore I have to stop every time I begin. Everytime I read ‚Pride and Prejudice‘ I want to dig her up and beat her over the skull with her own shin-bone.

        (Mark Twain)

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