Lumière

Licht ist höchst ungewöhnlich, wenn man es mit den Maßstäben betrachtet, die unser alltägliches Leben bestimmen. Nicht nur Physiker waren überrascht, als sie feststellen mussten, dass Licht zugleich aus Wellen und aus Teilchen, den Photonen, besteht. Ein Charakteristikum, dem wir nicht nur Sonnenbrand und lustigen Tand verdanken.
Ist Euch aber mal aufgefallen, dass es keine Spürnase eines ausgebildeten Spürhundes bedarf, um Licht zu riechen?

Gut, ich räume ein, dass ich nicht in der Lage bin, bei geschlossenen Augen mittels Nase festzustellen, ob jemand Licht ein- oder ausschaltet. Aber speziell Sonnenlicht hat doch wahrlich eine indirekte Geruchswirkung, kann daher olfaktorisch wahrgenommen werden. Denkt mal drüber nach:

Habt Ihr jemals Bettwäsche in der Sonne gelüftet? Hat die Wäsche danach nicht nach etwas gerochen, das man kaum besser als Sonne bezeichnen kann?

Kennt Ihr nicht auch die Unterschiede zwischen der Luft nach einem Regenschauer und der Luft an einem trockenheißen Sonntag, wenn in der Hitzestille ein paar Schwalben zilpen und krächzen?

Sind das, was wir dann riechen, wirklich stets die Gerüche des Bodens, der Pflanzen, des Asphalts?

Riechen wir bei Sonnenschein nicht auch das Licht selbst? Falls nein – warum riechen Pflanzen unter künstlichem Licht dann anders? Zufall? Oder doch feinere Wahrnehmung, als man uns bewusst ist?

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36 Gedanken zu “Lumière

  1. Ich glaube, was wir da riechen ist Ozon, vom griechischen ozein = riechen abgeleitet.

    Das Ani-GIF auf der von Dir verlinkten Seite ist toll. Ich glaube, das „klaue“ ich mir bei Gelegenheit. Obwohl ich solche Spielzeuge schon unendlich oft gesehen habe, fragte ich mich gerade, ob man damit nicht auch Energie erzeugen könnte. Wahrscheinlich ist die Kraft der Photonen aber so gering, dass der geringste Lufthauch das Rad bremsen würde (deshalb die Glasglocke). Und ob solche Dinger in riesig dann die Landschaft weniger verschandeln würden als Windräder, wage ich zu bezweifeln. Leiser wären sie halt.

    1. Das in der Bettwäsche? Hm, das, was ich immer für Ozon gehalten habe, riecht aber doch etwas anders. Ich mag mich aber täuschen.

      Die Glasglocke ist nicht nur da, um das Rädchen vor Lufthauch zu schützen, sondern das ganze Gerät steht auch leicht unter Unterdruck.

      1. Um mich nicht nur auf mein subjektives Empfinden und meine Halb-und-halb-Bildung zu verlassen, habe ich eben mal ein bisschen rumgegoogelt. Die Frage, ob/wie Sonne riecht, taucht ab und zu auf, und die Antworten reichen von „Einbildung, weil man Sonne mit etwas assoziiert, bis hin zu eben Ozon. Dann habe ich auch gelesen, dass Sonnenlicht desinfiziert, was ja bedeuten könnte, dass in der Sonne getrocknete Wäsche besonders sauber riecht. Was Sonne auf jeden Fall mit Wäsche tut: sie bleicht, und so könnte auch dieser Bleichvorgang… Ach, was weiß ich. Man muss ja nicht immer allem wissenschaftlich auf den Grund gehen. So, wie Du es beschrieben hast, weiß jeder, was Du meinst und kennt das auch. – Wenn an einem knackig-kalten Wintertag Gäste in die Wohnung kommen, strahlen sie nicht nur die Kälte von draußen ab, sie bringen auch einen ganz bestimmten Geruch mit. Sie riechen nach Winter, nach Schnee, nach… Wenn ich darüber nachdenke, scheint mir, dass dies bei Tageslicht stärker der Fall ist, als nach Einbruch der Dunkelheit.

        Und dieses Lichtrad käme also nicht einmal gegen normalen Luftdruck an. Ja, dann kann man das für die Energieerzeugung wohl vergessen. Andererseits forschen schon Teams an der Nutzung von Mikroenergie. Bin nur nie ganz sicher, ob damit kleine Systeme für strukturschwache Gebiete gemeint sind, oder „Bioenergetische Schwingungen feinstofflicher Art im Meditationsgarten“. [lacht]

        1. Die desinfizierende Wirkung erinnert mich daran, wie ich noch zu Archäologiezeiten mal in einem Forschungszentrum von VW etwas röntgen lassen musste. Der Mitarbeiter empfahl damals, seine Jacke in der Röntgenkammer liegen zu lassen. Die Strahlung war da um ein Vielfaches stärker, als wir es aus dem medizinischen Bereich kennen. Und durch die Strahlung würde, so meinte er, alles abgetötet, was an Einzellern, Milben oder sonstwas in Jacken sein Unwesen treiben könnte.

          1. Da haben wir ihn wieder, den Unterschied zwischen Männern und Frauen! Männer lassen Artefakte in Automobilforschungszentren röntgen und lösen dabei gleich ihr Bekleidungshygienproblem, und Frauen trockenen Windeln in der Sonne und bügeln sie anschließend trotzdem, um sie zu desinfizieren.

          2. In den 70ern hatten wir mal eine Dunstabzugshaube mit ner UV-Lampe drin, so ne längliche wie sie manchmal auch in Krankenzimmern zur Desinfektion sind. Wenn das Ding lief roch es total nach Ozon!

          3. Ich hab das eben mal gegooglet, die DInger gibt es noch, aber nur für Großkücken. Das Ozon zweretzt das Fett, übrig bleiben nur Pulver und Wasserdampf.

            Ich wollte damals mal sehen wie das da innen drin funktioniert und hab die Dunsthaube aufgeklappt, danach war ich zwei Tage schneeblind…

          4. Aha, DAS ist ja interessant. Kann man das auch bei Pfannen und Backöfen verwenden? :))

            Ich muss gerade an Ozzy denken, an das Lied Snowblind: „my eyes are blind, but I can see-ee-ee …“

          1. In Bezug auf den von die angesprochenen Duft der Bettwäsche … da denke ich, dass es der Stoff in Kombi von Waschmittel und Weichspüler in Verbindung mit Sonne und Luft ist … irgendwie so … aber ich weiß was du meinst. Ich liebe diesen Geruch. 😉

      2. Unterdruck? Ich dachte immer die Dinger seien luftleer gepumpt…? Als Teenie hatte ich mal eine Lichtmühle, musste ich einfach haben. Physikspielzeug hat mich schon immer fasziniert. Mein Traum wäre mal ein kleiner Stirling-Motor mit Spiritusbrenner, aber die Bausätze sind schweinteuer 😦

        1. Das hatte ich auch gedacht, offenbar eine weitverbreitete Fehlinformation.
          Ein Stirling? Herrlich, hätte ich auch gern. Ich war schon als Kind so neidisch auf die Dampfmaschine meiner Cousins. Ich hab nur nie verstanden, welchen Zweck sie hatte. :))

          1. Dampfmaschine hatte ich damals, mitsamt allem Schnickschnack drun herum inkl kleines Sägewerk!

            Aber Stirling…. das ist vom Wirkprinzip doch viel faszinierender!

          2. Oh ja, das ist recht nett. Aber ich hätte doch lieber die solide, mit beim Gedanken an Kolben und Zylinder von Testosteron halb in den Wahnsinn getriebenen Kerlen handgefräste Ausführung.

  2. Interessant… ich liebe diese Gerüche, von denen Du da schreibst. Dem Sonnenlicht habe ich das nie zugerechnet, aber der Eindruck stimmt natürlich, weswegen ich auch eine Wäschetrockner-Hasserin bin.

    1. Also, im Winter hätte ich gerne einen Wäschetrockner. Im Sommer nicht. Und außerdem benutze ich Weichspüler, damit ich die Handtücher nicht von der Leine kloppen muss. Hat zwar nix mit dem Eintrag zu tun, aber ich hab gerade Lust was zu schreiben.

  3. wie riecht sonnenlicht – nach sonne? den geruch von winter, er steigt in meine nase … (head space technology und so)

    das energiereiche sonnenlicht (betrachten wir es als welle, betrachten wir es als teilchen – anyway) vermag photochemische prozesse auszulösen (der duftstoff-bestandteil soundso wird in sein derivat verwandelt, was in der nase anders wirkt)

    das mit der kälte? – vielleicht findet da etwas nicht mehr statt, das bei zimmertemperatur immer abläuft

    ———————

    herkulesstaude: der phototoxische effekt (pflanzenbestandteile verwandeln sich unter sonnenlicht in aggresive substanzen, die schwere entzündungsreaktionen auf der haut auslösen)

  4. WAS für ein schöner Eintrag! 😀

    Licht riechen… Hm, Neonlicht? Bei Sonnenlicht bin ich bei dir. Das Sonnenlicht bewirkt etwas und daher riechen wir „den Sommer“, die luftgetrocknete Wäsche, sonnenverwöhnte Haut, Badeseen – die im Winter auch nicht anziehend duften, reife Früchte im Garten, den warmen Boden…

    Ich muss jetzt mal gucken, ob es Lichtmühlen zu kaufen gibt, die kannte ich gar nicht. :DD

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