Erbsenprinz & Co.

Salam miteinander!

Gestern war ich zum ersten Mal im UnPerfekthaus und wohnte einer Lesung von 12 Autoren bei (übrigens wird das Wort Autor stark gebeugt, mein lieber Erbsenprinz und Veranstalter).

Es war mal nett, was anderes zu sehen und zu hören als den üblichen Quark. Zugleich war es nett zu sehen, wie … nu ja, dazu später.

Bevor es losging, sammelten sich die Leutchen und es gab eine feine Möglichkeit, die Autoren und Leser in ihrem Austausch zu mustern. Dabei fiel mir etwas auf, was insbesondere mit früheren Beobachtungen übereinstimmt:

So unterschiedlich die Kleinautoren auch sind, irgendwie scheint es im ganzen deutschsprachigen Raum derselbe Typ Mensch zu sein. Im – und das meine ich ausdrücklich positiv! – eigentlichen Sinne irgendwo angetitscht, ein seltsamer Mix aus Sich-selbst-gern-reden-Hören & Gut-zuhören-Können, andere stützend, aber auch mit einer manchmal übergesunden Prise Missgunst … dieser Eintopf muss wohl einfach schreiben müssen.

An Text- und Leseangebot gab es vielerlei – von Soziologiedozentinnen über Sterbehelfer, Altenpfleger … Und mehrfach kam mir ein Satz aus Elling in den Kopf: Wie gut es doch sei, mal zu sehen, wie schlecht die anderen sind. – Ehrlich, was da zum Teil geboten wurde. Ich erspar mir mal Namen, aber jemand, der aus seinem Gedichtelebenswerk vorträgt, das er im zarten Alter von 9 begonnen hat … und diese miserablen Texte dann auch noch vorträgt wie ein moderner Finanzbeamte, der 5 Minuten vor Feierabend amtliche Mitteilungen aus den 60ern liest … oder Leute, die nur solange bleiben, bis ihre Autorin gelesen hat und dann sofort verschwinden … oder Leute, die keinen Imperativ korrekt bilden, zum Ausgleich dazu Noir wie Noah aussprechen und das italienische Marchese dauernd Mar-tschäse … Mönsch, MUSS das denn sein? Aber ich möchte auch Gnade walten lassen. Mindestens drei von 12 Autoren wussten immerhin zu unterhalten, mal mit der Schreibe, mal mit der Textidee und in zwei Fällen auch mit dem Vortrag (der Dritten im Bunde fehlte noch der Mut zur Bühne).

Nu ja, der nächste Termin ist am 5. November und wenn ich Zeit finde, werde ich sicher noch mal da eintrudeln.

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7 Gedanken zu “Erbsenprinz & Co.

  1. Das ist eine interessante Kritik, ohne Frage. Typisch deutsch, immer ein Haar im Eintopf suchen und doch aufessen und satt vom Tische aufstehen. 🙂

    Danke für das Durchhalten und den Hinweis auf meine mangelnde Beugekraft, die mir sicher, in Anbetracht der fortwährenden Kontrolle meiner Wortwahl (denn ich muss ja offenbar zu jeder Zeit damit rechnen, einen deutschen Sprachwissenschaftler im Publikum zu haben), aus Erschöpfung entfleucht ist. Ich bitte daher um gnädige Nachsicht.

    Doch ich bin freudig erstaunt über das Lob der Unterhaltung und das allein war meine Intension. Danke dafür und für überhaupt diese Kritik. Es ist schön, dass es Widerhall gibt.

    1. Aloha, das Haar ist in meinem Fall weniger typisch deutsch, als vielmehr typisch Totte. 😉 Nicht dran stören, ich bin so ausgebildet.
      Übrigens gehörst Du definitiv zu den drei Entdeckungen an diesem Abend – sowohl inhaltlich als auch textlich und im Vortrag. Aber das nur nebenbei.

      Ich bin ferner freudig erstaunt, dass mein Eintrag so schnell gefunden wurde. Oder lag’s am Backlink? 🙂

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