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Ein mit mir befreundetes Ehepaar war mal zu Studienzeiten mit dem Golf an der holsteinischen Ostseeküste. Weil sie irgendwie nix Günstiges zum Übernachten gefunden hatten und nicht wild zelten wollten, haben sie eine Nacht kurzerhand auf einem Parkplatz im Auto gepennt.
Morgens wurden sie geweckt, als am Wagen ein älteres Paar herumlief, so Typ Lodenmantel, anbei natürlich der obligatorische Rauhaarteckel. Der Kerl dieses älteren Pärchen wies auf meine Freunde und sagte zu seiner Ollen: „Guck mal, Erna, Trickdiebe.“
Jahre später entdeckten meine Freunde T-Shirts, auf denen riesig „Trickdieb“ stand, die sie natürlich sofort kaufen mussten.

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Ein Pferd

Nach Frank Schulz

Salambo. Nachtshow. Auf der Bühne steht der Star des Abends, Manfredo del Stendo. Manfredo ist splitternackt bis auf weiße Handschuh und hat einen Steifen. Ihm gegenüber, auf einem langen, samtbedeckten Tisch, liegt ein Krokodil.
„Meine Damen und Herren! Ich werde jetzt meinen Schwanz in das Maul dieses Untiers stecken, ihn wieder herausziehen und es wird ihm – NICHTS passieren! … Wohl an!“
Don Manfredo schiebt seinen Schwanz bis ans Heft in das weit geöffnete Maul des Untiers, das Untier schließt die meterlangen, runzligen, dolchzahnbewehrten Kiefer und … gelähmte Stille … Man kann die Stecknadel im Heuhaufen hören. Das Publikum hält den Atem an. Und PLÖTZLICH haut Manfredo dem Krokodil kurz und trocken zwischen die Augen, das Maul geht auf, der Schwanz kommt unversehrt und in voller Pracht zum Vorschein.
Prasselnder Ablaus. Doch Manfredo wehrt bescheiden ab.
„Nun – wer von Ihnen, hochverehrtes Publikum“, sagt der große Manfredo, „möchte denn das auch mal probieren?“
Betretenes Schweigen. Die Herrn der Schöpfung kauen auf Fingernägeln, pfeifen unaufällig und täuschen Migräne vor, die Damen stoßen spitze Schreie aus. DA! Meldet sich ganz hinten, in der Ecke, ein kleines altes Frollein.
„Tschä, ich würd däs jo mächn, junga Mann. Obä nich so doll zwüschen die Augn haun!”

Hochdeutsch von Totte

Der Traum ist aus

Es gibt Platitüden, die kann man gar nicht oft genug wiederholen. Dazu gehört fraglos die Platitüde der sich wiederholenden Geschichte (Marx/Hegel bzw. Tragödie/Farce). Was wir in den letzten Wochen und Monaten in einer Reihe von arabischen Ländern, aber auch in Israel und europäischen Staaten wie Griechenland, Spanien und zuletzt massiv in Großbritannien erleben durften, spricht Bände über die Zustände, in die Skrupellosigkeit und Eigensinn uns geführt hat.

Politiker wie Kohl, Thatcher & Co. haben vor 30 Jahren eine Bewegung angestoßen, die genau das wollte: Konzentration auf den Einzelnen, Individualismus und wirtschaftlicher Egozentrimsus – von konservativen Politikern gern als Selbstverantwortlichkeit verbrämt.

Damit stießen sie eine Entwicklung an, die wie alles zwei Seiten hat: Die eigene Zielgruppe ging wirtschaftlich ab wie eine Rakete, alle anderen Zielgruppen sind dabei, im Feuerstrahl dieser Rakete zu verglühen. Der Mensch an sich zählt nichts, es sei denn, dass er über die Mittel verfügt, sich ein heimelig Plätzchen in der Rakete zu sichern.

Jetzt wird genau das von den Politikern bemängelt, die diese Entwicklung mit verantworten bzw. in den letzten Jahren weiter gestützt haben. Sie sehen nicht, dass die außerhalb der Rakete über kurz oder lang nichts anderes tun, als mit derselben Skrupelosigkeit zu agieren, wie die in der Rakete: Sie versuchen sich zu nehmen, was sie kriegen können. Dazu bedienen sie sich natürlich anderer Mittel als die oben in der Kapsel. Eine Tatsache, über die sich nur wundern kann, wer ein Ignorant oder Idiot ist.

Ich kann nicht die Zukunft schauen, leider. Aber die Erschießung Mark Duggans in Tottenham am 4. August kann über mehrtägige schwere Ausschreitungen hinaus noch ganz andere Folgen haben, als bislang abzusehen ist. Die meisten Briten werden es vermutlich nicht im Detail kennen, aber in Deutschland hat es auch schon einmal eine ungerechtfertigte Erschießung gegeben (wenn auch unter anderen Umständen und mit einem offenbar deutlich unschuldigeren Opfer). Das war Benno Ohnesorg, der am 2. Juni 1967 von dem westdeutschen Polizisten Karl-Heinz Kurras getötet wurde. Damals unbekannt, heute pikant: Der Polizist war Stasi-IM der DDR, in der später Terroristen der RAF untertauchten. Was das miteinander zu tun hat? Der Kreis schließt sich 1980, als die terroristische Vereinigung Bewegung 2. Juni sich endgültig der RAF anschließt.

Alles an den Haaren herbeigezogene Vergleiche? Mag sein. Aber ich würde mich nicht wundern, wenn es eines Tages eine Art „Bewegung 4. August“ geben wird. Und Freunde, das Problem, das sich in den Gettos ergibt, ist weniger die fehlende Integration, das Problem ist die fehlende Teilhabe an der Gesellschaft. Wer an der Gesellschaft teilhaben kann, wird sich integrieren. Wem die Chancen dazu verbaut werden, kann es erst gar nicht. Und wenn die Gesellschaft eine Terrorkonsumgesellschaft ist, möchten die Leute an einer Terrorkonsumgesellschaft teilhaben. Wer nichts mehr zu verlieren hat, zieht eben los zum Einbrechen, Plündern und Klauen. Er kann nämlich nur gewinnen. Und je weiter die Schere auseinandergeht, desto weniger haben die Menschen auf der unteren Scherenklinge zu verlieren.

Ihr wollt wissen, wie die auf der oberen Hälfte ihr schweres Los sieht? Heute hab ich auf Tagesschau.de ein Interview mit dem Banker bzw. Bankpsychologen Joachim Goldberg gelesen. Sicher, das ein oder andere stimmt, was er sagt, z. B. dass Politiker keine Ahnung vom Geldwesen haben. So wie die meisten Leute im Bundestag keine Ahnung von gar nix haben. Nicht umsonst handelt es sich bei einem auffallenden Großteil um Politiker, die kaum bis nie das echte Leben kennengelernt haben, sondern aus bequemen Lehrer- und sonstigen Beamtenpöstchen ins Politikfach gewechselt sind. Wenn ich aber Folgendes aus dem Mund eines Bankers lese:

Die Politik hat das große Problem, dass sie immer auch dem Wähler verpflichtet ist.

dann wird mir ehrlich gesagt schlecht. Freundchen Goldberg, das ist kein Problem, das ist die Grundlage unseres Staates. Und das kannst Du Hirni zur Kenntnis nehmen, egal ob es Dir gefällt oder nicht! Und wenn Du es nicht zur Kenntnis nimmst, dann werden Leute Deines Standes in den kommenden Jahrzehnten ganz andere Probleme bekommen. Da bin ich mir zumindest sehr sicher.

Ich schließe mit einem Lied.