Breda, Notizen

Das fängt schon mal gut an: Auf dem Weg regnet es, in Breda selbst ist es bei der Ankunft erst mal trocken. Die Stadt selbst sieht putzig aus. Auffallend ist, dass sie noch schläft: Von den Dutzenden Cafés haben kurz nach 11 erst drei geöffnet, ein paar weitere sind gerade dabei, die Stühle zu rücken und Tische zu wischen. Was man sehen kann, sind noch nicht viele Rothaarige da. Wenn in ca. 1 Stunde das Foto gemacht werden soll, bin ich mal gespannt, wie viele bis dahin eintrudeln werden. Erfrischendes Detail: Es liefen sogar ein paar rothaarige Hunde herum (u. a. ein Irish Setter und ein echt(!) rothaariger Pudel).

So langsam füllt sich zumindest der Grote Markt. Rätselhaft bleibt mir trotzdem, wie nachher so viele Leute aufs Foto gelangen.

11 Uhr. Supi. Nicht nur voller, jetzt kommt sogar die Sonne raus und es wird sofort richtig drückend. Erst mal ein T-Shirt kaufen (I have a red hair day). Interessant, dass der Sponsor Coeberg keine Probestände aufgebaut hat. Oder ich sehe sie jedenfalls nirgendwo. In Deutschland wäre das anders. Zur Belohnung hier mal Werbung für das Zeug, das ich nur namentlich kenne.

Kurz nach 12. Ein paar Leute vom Veranstalter halten auf dem Platz kurze Reden, u. a. werden wir zu einer La-Ola-Welle aufgefordert. Muss sehr lustig ausgesehen haben von der Bühne. Am Ende blabbert jemand von der Bühne (vermutlich der Chefveranstalter oder Veranstalterchef) irgendwas von Park oder so und alle latschen gemessenen Schrittes in eine Richtung. Ich häng mich dran.

Laufe im Pulk direkt auf den Rücken einer Reporterin vom ZDF zu. Wenn ich aus der Moderation nicht rausgeschnitten werde, müsste ich da irgendwann im Fernsehen erscheinen.

Wir marschieren weiter geschlossen durch Straßen, die mal eng sind, mal sehr breit. An den Wegrändern zum Teil Zuschauer, zum Teil drängeln sich arme Bredaner (Bredaer?) entgegen dem roten Strom in Richtung Innenstadt.

Wir gelangen in den Park, sammeln uns auf einer Wiese. Hier wird mir etwas bewusst: Das Ganze hat etwas Faschistoides, nur unter umgekehrten Vorzeichen. Der Zug vom Marktplatz in den Park hatte etwas von Minderheitenvertreibung. Fehlte eigentlich nur, dass die Zuschauer am Rande uns anpöbeln und beschimpfen. Im Park selbst muss man eine kurze Haarkontrolle über sich ergehen lassen (hab selbst einen Mann gesehen, der nicht reindurfte, weil die Haare zu dunkel waren), danach gelangt man in einen abgesperrten Bereich, den Fotobereich. Ich hab übrigens bestanden. Um den Bereich herum zig – und wenn ich zig schreibe, meine ich eine dreistellige Zahl – Menschen. Verwandte, Freunde der Rothaarigen, dazu eine enorme Horde an Journalisten. Diese Leute um uns herum begaffen und fotografieren uns, als seien wir eine Attraktion im Zoo. Seltsames Gefühl.

Dann endlich ist es so weit. Das Megafon des Veranstalters krächzt, seine Arbeitsbühne hebt sich. (Übrigens genau auf der Rückseite der ersten Arbeitsbühne. Erst dachte ich, etwas im Hintergrund zu stehen, doch als wir uns umdrehen müssen, stehe ich praktisch in der Mitte des roten Pulks.)

Als der Veranstalter und sein Fotograf ein wenig Höhe gewonnen haben, beginnen sie, uns hin und her zu befehligen, damit auch alle aufs Bild passen. Mal von „Achtern“ nach vorn, dann wieder etwas mehr „naar“ links. Schließlich werden die ersten eigentlichen Fotos gemacht.

Zwischendrin erklärt der Veranstalter per Megafon: Ein „Meisje“ aus Denmark habe ihn per E-Mail wissen lassen, dass sie nicht kommen könnte, weil sie heute Geburtstag habe. Er hat sie überredet, doch zu kommen, und versprach ihr dafür, dass wir ihr ein Geburtstagsliedlein trällern. Erst scherzte er: „In Danish!“, korrigierte sich dann aber doch, dass wir lediglich englisch zu singen hätten.

Auf Aufforderung musste Karin (Karim?) sich zeigen, sie stand ein paar Meter hinter mir und trug einen papiernen Dannebrog im roten Haar. Dann fingen alle lauthals zu singen an (Happy Birthday) und zeigten dazu mit dem Finger auf sie. War bestimmt ein amüsanter Anblick von oben.

Dann bekamen wir die nächste Aufgabe. Wieder für Karin und eine hübsche Fotografie. Unter viel Lachen sollten die Leute, die direkt um Karin standen, einen Kreis bilden. Die Leute um diesen Kreis ebenfalls. Und die Leute darum desgleich. Gut, irgendwo ab dem vierten oder fünften Kreis verlief sich die Geometrie im Chaos. Aber so ging es erst richtig los: Der erste Kreis um Karin sollte sich im Uhrzeigersinn drehen, der zweite entgegen dem Uhrzeigersinn usw. Das Durcheinander war perfekt. Aber es war wirklich überraschend lustig.

Danach scheuchte man uns zwischen den Arbeitsbühnen und den Journalisten hin und her (war das jetzt noch mal der Kameramann vom ZDF? Fiel der Begriff heute journal? Ich weiß es nicht, es war schwer zu verstehen).

Schließlich löste sich der Pulk im Park auf und molekülierte wieder gen Centrum. Ich meinerseits trieb mich noch etwas durch die Straßen, schaute mir die Grote of Onze Lieve-Vrouwekerk an (u. a. mit einer Ausstellung mit gemalten Bildern nackter Frauen; was es wohl für ein Gezeter gäbe, wenn sowas im Kölner Dom ausgestellt würde …), besuchte auch das kleine, aber äußerst feine Design-Museum von Breda (lohnt sich, wie das Städtchen überhaupt!). Ich futterte noch ne Kleinigkeit, ging zum Parkhaus und konnte nach einer kleinen Odyssee aufgrund defekter Parkscheinautomaten irgendwann wieder lostuckeln.

Alles in allem: ein feiner Tag. Daher zum Ende noch ein paar Impressionen.

PS: Es gab etwas Besonderes, was ich aber erst morgen erzählen werde. Ich muss dazu nämlich noch was knipsen.

Nein, ich bin nicht der mit der Perücke.

Wie das Viech auf eine Weide getrieben.

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14 Gedanken zu “Breda, Notizen

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