Sympathisch Unproblematisch

Leute, ich habe einen Anschlag auf euch vor. Die Tage fiel mir ein, wie sehr sich die Arten, Lebensmittel zu konsumieren, in den Ländern unterscheiden. Ich frage mich ja bekanntermaßen häufig: Warum? Und wollte das daher auch hier wissen. Warum essen wir Fleisch so, wie wir es essen? In Einzelfällen ist es einfach zu erklären: Chinesen beispielsweise brutzeln das Allermeiste erst dann im Wok, weil in der Zeit und Gegend, in der der Wok erfunden wurde, Brennholz rar war. Man musste Energie beim Kochen sparen und bereitete die Speisen dementsprechend vor. Aber wie kann man unsere europäischen Arten erklären?

Um das womöglich herauszufinden, möchte ich erst mal etwas Informationen sammeln und dazu möchte ich euch um Hilfe bitten. Ich habe eine kleine Tabelle angefangen, die fern davon ist, abgeschlossen oder repräsentativ zu sein. Helft mir, sie zu befüllen, und wir können überlegen, ob mehr dahintersteckt.

Deutschland Braten, Haxen, Würste (inkl. Aufschnitt, Blutwurst, Weißwurscht, Ahle Wurst &c.), Grillhuhn (Broiler), Schnitzel, Frikadellen, Schinken, Kasseler, Leber, Mett, Eisbein, Leberkäs, Blutsuppe, Brägen, Lungenhaschee, Rouladen, Hack, Saumagen, Spanferkel
Österreich Schnitzel, Würstel, Backhendl, Tafelspitz, Salamucci, Beuschel, Zwiebelrostbraten, Vanillerostbraten, Schweinsbraten, Krenfleisch (Wurzelfleisch)
England Steak, Roastbeef, Würstchen (Sausages), Innereien, Spam, Corned Beef, Steak and Kidney Pie, Steak and Kidney Pudding, Mincemeat
USA Steak, Burger, Spareribs, Turkey
Frankreich Pasteten, Grillvögel (Huhn, Wachtel etc.), gemästeter Ortolan, Eintöpfe, Entrecôte, Frikassee, Froschschenkel
Italien Würste (Salami, Mortadella), Schinken
Ungarn Gulasch, Würste (Salami), Pörkölt
Island Sviði (gesengter Schafskopf), Hangikjöt (in Schafsdung geräuchertes Lammfleisch), Innereien
Schweiz Fondue
Polen Flaczki (Kuttelsuppe), Eintöpfe, Barszcz, Würste (Plockwurst, Krakauer, Krupnioki (Graupenblutwurst), Rzymloki (Semelblutwurs)), Bigos
Russland Borschtsch, Soljanka
Ukraine Borschtsch
Schottland Haggis
China Pekingente, 23–37 und 50–79 (Huhn, Schwein, Rind in allerlei Soßen), Schlange
Japan Kobesteak
Korea Huhn, Schwein, Rind in allerlei Soßen, Hund
Spanien Ibericoschinken, Seranoschinken

Ihr merkt vielleicht: Ich möchte nicht unbedingt alles aufzählen, sondern eher die typischen Klassiker eines Landes. Schreibt mir also bitte, was ihr zum Thema kennt, was euch aufgefallen ist.

Advertisements

96 Gedanken zu “Sympathisch Unproblematisch

          1. Die waren eben lange sehr arm und mussten essen, was sie hatten. Tja, und inzwischen sind sie wieder arm und freuen sich vermutlich, dass sie nicht verlernt haben, auch sowas zu verwerten.

          2. Je nun, viel Wald gibt es auf Island nicht (mehr), da muss man zum Räuchern eben gucken, was man hat. Übrigens soll das derselbe Grund sein, weshalb Hangikjöt in Europa nicht zugelassen ist. Ich selbst habe mal einen Hangikjöt-Salat gegessen, den fand ich durchaus lecker.

          3. Hm, dann wirst Du es probieren müssen, wenn Du es erfahren willst. Aber das wird natürlich schwer, weil Lamm kein Geflügel oder Fisch ist. 😉

          4. Das stimmt allerdings. Es reicht auch, dass du mir beschrieben hast wie es schmeckt, ungern würde ich etwas essen, was mit Schafsdung geräuchert wurde, selbst wenn es Fisch wäre. 😉

  1. Österreich: Tafelspitz
    Deutschland: Kasseler, Brotzeitplatte (Schlachtplatte mit Aufschnitt ohne Ende), Aufschnitt an sich (konsumieren wir BER-GE von!), Leberwurst

    1. Okay, Tafelspitz und Kasseler ist nachgetragen, Aufschnitt, Brotzeitplatte und Leberwurst packe ich mal unter den Punkt Würste, denn letztlich ist es ja nur eine große Wurst in Scheiben.

          1. Polen: Flacki (wobei man das c wie tsch ausspricht).
            Das ist Kuttelsuppe…und sogar mein Mann, der mit 5 nach Deutschland gekommen ist, liebt dieses Zeugs…örgs…

          2. Ich hab sie auch einmal gegessen, wenn sie richtig zubereitet ist, ist sie auch gar nicht mal so unlecker. Aber jeden Monat bräuchte ich das auch nicht. :DD

          1. Naja, die Frage hab ich schon gelesen, aber sie wirkte eher wie eine Art Beispiel für allgemeine Nahrungsaufnahme-/-zubereitungsgewohnheiten.

            Darf ich Aale Wurst (Hessen) vorschlagen?

          2. Durchaus, wobei es sich meines Erachtens langsam in zu viele Wurstspezialitäten zerfasert, wo es doch noch viele eigene Zubereitungen gibt.

          3. Du hast aber schon eine Ahnung, wie viele Wurstspezialitäten es allein in Deutschland gibt? Und letztlich ist alles Wurst. Es ändert also wenig an der Herangehensweise. 😉

          4. Ja, aber das ändert nix daran, dass Würste überall nahezu gleich gestaltet werden, sich lediglich im Inhalt und bei der Zubereitung (geräuchert, gekocht, getrocknet) unterscheiden. Deshalb ist es unsinnig, jede Wurstart des Universums aufzuführen, wenn ich erforschen möchte, wie die Arten der Fleischverwendung und des -konsums sich auszeichnen. Wurst ist Wurst.

  2. Wie ist es denn mit Nordeutschen Nationalgerichten?

    Birnen, Bohnen und Speck
    Grünkohl mit Kasseler, Kohlwurst oder Pinkel und Bauchfleisch
    Erbsensuppe mit „Snuten un Poten“
    Hühnerfrikassee mit Kuddeln (Norddeutsch (?) )

    Dann noch Leber mit Apfelmus oder Zwiebeln
    Hackfleisch und Mett (also Roh)
    Zu Feiertagen: Fleischfondue

    Griechenland: Lamm und Leber

    Bayern: Fleischkäse, Weißwurst
    Franken: Haxe und Schäufele

    1. Schon recht ausführlich. Speck würde ich eher nicht als einzelnes Gericht aufführen wollen. Bei Frikassee und Fondue verraten die Namen schon, dass sie nicht aus Deutschland kommen. 😉 Ich packe sie dann eher zu Frankreich.
      Mett ist ein sehr guter Tipp, Leber packe ich auch mal noch dazu.
      Bayern: Die Wurst sollte schon mitgenannt sein, ich packe sie noch mal extra. :DD
      Dafür hat mich die Haxe an Eisbein erinnert. 😀
      Vielen Dank!

  3. Mal so grundsätzlich und von einer anderen Seite beleuchtet:

    Traditionelle franz. Gerichte sind z.B. entstanden, weil man sparsam sein musste (Beackeröffe- ein Ofen, ein Topf und dann ist es abends gar) oder Backtag im Gemeindeofen, da machte man Pasteten und Terrinen dazu.

    Eintöpfe in Europa, regional unterschiedlich entstanden aus der Sparsamkeit, viele Menschen (größere Familien und Helfer) möglichst nahhaft (in dem Fall Fett) mit wenig Arbeitsaufwand zu sättigen.

    Hausschlachtungen waren früher üblich, dabei musste man so viel Produkte aus dem Tier verarbeiten wie möglich. Daraus entstand Wurst. Wenn man die geräuchert hatte hielt sie lange wie auch der Schinken. Haltbarkeit war ein entscheidender Faktor für die Entwicklung der Gerichte.

    USA und BBQ ist doch auch logisch, die Eroberung des Wilden Westens bedurfte das kochen am offenen Feuer, Öfen konnte man nicht gut transportieren.

    Hilft Dir das?

    1. Bei den Japanern entstand das Sushi als Konservierungsmethode.

      Der gesäuerte Reis dient zur Haltbarkeitsverlängerung des Fisches und wurde zunächst gar nicht gegessen sondern vom Fisch wieder entfernt!

    2. Bei Schlachtungen dann noch Blutsuppe oder Blutwurst… *örks*

      Zu den USA fallen mir noch Onion Rings ein, lieber Totte, eines meiner liebsten Essen (für mich kann das ein Hauptgericht sein).
      Unser Gulasch heißt in Ungarn übrigens Pörkölt!

      1. Jaaaa! Swartsur. :))

        Onion Rings (in Griechenland auch mal als „Zwiebel ruft an“ auf der mehrsprachigen Speisekarte) sind natürlich lecker, aber ich wollte ja direkt auf Fleischgerichte hinaus.

        Mist, ich hatte schon mal gehört, dass es da Unterschiede gibt. Das Gulasch ist da eher so ein heller Eintopf, nicht wahr?

    3. Okay, Du hast gemerkt, worauf ich im Grundsatz hinaus will. Aber es sei eine beispielhafte Zwischenfrage erlaubt: Warum sind Würste hier gebräuchlicher als anderswo? Wenn es nur um das Praktische ging, müsste es im Grundsatz überall dieselben Sachen geben. Aber warum essen wir in Deutschland weniger Innereien als in England? Warum gibts die berühmten Beefeater?

        1. Findest Du nicht? Wann hast in Deutschland mal Nierchen gegessen? (Womöglich zum Frühstück.) Außer Leber, Zunge und Hirn kommt hier eigentlich nicht mehr viel auf den Tisch, wenn ich mich nicht total täusche. Und selbst deren Konsum dürfte in den letzten 30 Jahren massiv nachgelassen haben. Das ist woanders anders. Pansen ist in Polen z.B. recht verbreitet und schmeckt auch gar nicht schlecht, wenn er richtig zubereitet ist. Auch auf Island haben Innereien eine sehr tief verankerte Tradition – einfach weil die Leute noch sehr lange alles verwerten mussten. Oder denk an die klassischen Schafs- oder Stierhoden. Die sind meines Wissens in Deutschland auch eher selten auf einer Speisekarte zu finden.

          1. Das stimmt wohl, der Gebrauch von Innereien als Hauptspeise ist seit Jahren in Deutschland stark rückläufig, aber die guten Kaldaunenschlucker müssen sich nicht grämen: Die Innereien werden hierzulande ja nicht weggeworfen, sondern in Wurstwaren mitverwendet…

          2. Und ich habe ehrlich gesagt den Verdacht, dass spätestens seit BSE auch der Konsum von Würsten aus Innereien etwas zurückgeht. Aber dazu müsste man wohl mal einen Metzger interviewen. 🙂

          3. Ja, weil die Leute nicht (mehr) wissen, wie man es zubereitet. Ich kenne ein paar Polen, die sich den Pansen auf dem Markt beim Frischhundefutterstand besorgen für ’nen Appel und ’n Ei. Die Suppe, die man daraus kocht, hält dann für ein paar Tage. Der Witz ist eben nur, wie man das Ding vorher saubermacht und dann kocht (so sechs Stunden etwa).

  4. Pörkölt ist das was man hier Gulasch nennt. Gulyas ist etwas heller und nicht so eingedickt, und Paprikas (ausgerechnet) hat am wenigsten Paprika drin..

    Übrigens eine ganz interessante und knifflige Frage, die du hier stellst. Ich bin gerade zum ersten mal darauf gekommen, Dutch Oven zu googlen. So nennt man nämlich im Englischen mittlerweile somziemlich alle Schmortöpfe und Bräter, und das stammt tatsächlich aus Holland (man weiß ja nie…)

    http://en.wikipedia.org/wiki/Dutch_oven

    1. Gut, das klärt das, was mir mal sehr grob erzählt wurde, noch etwas weiter auf. (Ich hab sogar noch etwas original Paprikapulver aus Ungarn zu Hause. 🙂 )

      Jetzt wird es richtig spannend: Ich kam auf die Frage auch von der Idee „Hat der Konsum von Fleisch auch etwas mit dem Umgang mit den Tieren zu tun?“. Aber mittlerweile zeichnen sich mehr und mehr andere Aspekte ab. 🙂

    1. Wir ja. Aber was sagt die Tradition dazu? Meine Großeltern kannten Steak nicht von kleinauf. Und auch der Name spricht für eine nichtdeutsche Entwicklung.
      (Wobei ich weiß, dass das zugrundliegende Wort schon recht alt ist; beispielsweise wird für die Zubereitung, die Sigurd dem Drachenherzen in der Sigurdsaga angedeihen lässt, das Verb steykja benutzt; es bedeutete damals wohl so was Ähnliches wie Grillen.)

  5. Da kommen la lecker Sachen zusammen. Hier noch ein paar Vorschläge:

    Ukraine:
    Borschtsch
    Russland:
    Borschtsch
    Polen:
    Borschtsch bzw. Barszcz; Plockwurst
    Deutschland:
    Soljanka; Cervelatwurst; Zungenwurst; Pinkel; Brägenwurst; Saumagen; Kuttelsuppe; Markklößchen; Kalbsbries; Lungenhaschee[s. Beuschel] Rinds-, Pferderouladen, Kohl-, Wirsingrouladen
    Italien:
    Salame
    Österreich:
    Salamucci; Beuschel
    England:
    English breakfast; Steak and kidney pie; Steak and kidney pudding; Mincemeat
    Schottland:
    Haggis

    Dann sag ich mal: Bon Appetit! 😉

    1. Ein paar Sachen hab ich mal zusammengefasst oder vereinfacht. Soljanka möchte ich dagegen verschieben: Auch wenn sie in der ehemaligen DDR inzwischen verbreitet ist, ist es ja schon dem Namen nach eigentlich kein deutsches Gericht. 🙂
      Danke!

  6. Bei Polen fehlen diverse Wurstwaren, allem voraus die Krakauer, Krupnioki (graupenblutwurst), und Rzymloki (Semelblutwurst)

    Grüsse an alle die sich an mich hier noch erinnern.
    Wollt ihr den Viti mit dem Vögelblog wider haben?

      1. Gut, wenigstens einer. 😀
        Werde versuchen mich bis WE hier zu Palingenesieren.

        habe gestern in der stadt noch welche bekommen, und dazu im angebot. die wollen ihre restbestände offensichtlich schnell loswerden.

    1. Ziemlich genau hier: Ich habe eine kleine Tabelle angefangen, die fern davon ist, abgeschlossen oder repräsentativ zu sein. und hier: Schreibt mir also bitte, was ihr zum Thema kennt, was euch aufgefallen ist. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s