Quarzuhr

Ein Verdacht, den ich schon länger hege, bestätigte sich neulich, als ich mich aus beruflichen Gründen mit der Raucherei beschäftigte. Steht doch bei Wikipedia beim Stichwort Rauchen unter „Rauchen und soziale Schichten“:

Der Anteil von Rauchern in bildungsnahen Schichten ist deutlich niedriger als in bildungsfernen Schichten.

Was tendenziell(!) auf Deutsch übersetzt heißt: Je ungebildeter, desto Rauch. Weiter heißt es:

Von Personen, die einfache, angelernte Tätigkeiten ausüben, rauchen etwa 50 %. Der Anteil der Raucher in der Gruppe der Ärzte sowie Gymnasial- und Hochschullehrer liegt dagegen bei nur 15 %. In der Gruppe der 18- bis 19-Jährigen mit Hauptschulabschluss liegt der Anteil der Raucher bei 64 %; bei gleichaltrigen Abiturienten beträgt der Anteil hingegen 39 %. Auch das Statistische Bundesamt bestätigte 2006: Bei Menschen mit einem Abschluss an einer Universität/Promotion liegt der Raucheranteil bei nur 16 %.

Aber:

In Deutschland rauchen 37 % der Personen der Unterschicht, 33 % in der Mittelschicht und 28 % in der Oberschicht.

In Bezug auf das Einkommen streut es also etwas. Das bestätigt, dass nicht Geld von der Kippe löst, sondern in der Tat die Bildung. Jetzt mal nach Berufen sortiert:

Zu den Berufen mit der höchsten Raucherquote zählen Bauhilfsarbeiter (54 % Raucher), Straßenbauer (52 % Raucher), Transportarbeiter (52 % Raucher), Dachdecker (51 % Raucher) und Berufskraftfahrer (40 % Raucher). Unter den Berufen mit der niedrigsten Raucherquote gibt es nur einen manuellen Beruf, nämlich Landwirt (17 % Raucher). Andere Berufe mit einer niedrigen Raucherquote sind Elektroingenieur (17 % Raucher), Volksschullehrer (16 % Raucher), Hochschullehrer (15 % Raucher) und Gymnasiallehrer (13 % Raucher).

Sehr putzig fand ich als Nichtraucher die Höhe der finanziellen Belastung eines typischen Rauchers, die Wikipedia für das Jahr 2004 mit

ungefähr 1300 Euro pro Jahr

angibt. Das können bei einkommensschwachen Haushalten schon mal

10 bis 20 % des verfügbaren Einkommens

sein. Und angesichts steigender Kosten bei weitgehend gleichbleibenden Einkommen gehe ich mal davon aus, dass es heute sogar noch deutlich mehr sein dürfte.

Um es noch einmal deutlich zu machen: Ich sage nicht, dass Raucher dümmer sind. Ich fühle mich aber darin bestätigt, dass Raucher tendenziell schlechter (aus)gebildet sind. Das eigentlich Auffallende daran ist für mich, dass ich diese Erkenntnis schon lange übertrage. Klar, bei Leuten, die ich kenne, betrachte ich das differenziert. Menschen, die ich aber nicht oder nur sehr oberflächlich kenne, werten sich in meiner Einschätzung auf der Stelle ab, sobald sie sich als Raucher outen. Und zwar nicht, weil sie rauchen, sondern weil die Kippe für mich ein Signal ist, wohin ich diese Person sortieren soll. Ich erwarte von solchen Menschen keine interessanten Gespräche und bekomme sie erfahrungsgemäß auch selten. Ausnahmen bestätigen zum Glück die Regel. Ich möchte daher keineswegs Bildung über alles setzen, doch die Zusammenhänge lassen tief blicken.

Mein Gratistipp: Abseits von „gemütlicher Kneipenstimmung“ und „zwanglosen Gesprächen in der Raucherpause“ empfehle ich Rauchern, sich Gedanken darüber zu machen, welche Eindrücke Sie mit ihrer Sucht erwecken. Danke.

Und zum Schluss etwas Musik.

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25 Gedanken zu “Quarzuhr

    1. Ich zitiere: Klar, bei Leuten, die ich kenne, betrachte ich das differenziert. 😉
      Mir geht es ja nicht um die Aussage, Raucher seien ungebildet. Es geht mir um die Tendenz und die Wirkung auf Unbekannte. Ich ertappe mich selbst immer wieder dabei, dass ich Raucher, die ich neu kennenlerne, gedanklich abqualifiziere. Die Statistik scheint mir da recht zu geben.

  1. Boah, ich könnte jetzt kilometerlang schreiben … aber ich sach nur eines: Ja, stimmt! Und das aus dem Munde einer ehemaligen Raucherin (hey, 5 Monate jetzt!).
    Das habe ich aber schon damals gedacht, als ich noch geraucht habe und wie oft habe ich mich „prollig“ gefühlt, wenn ich z. B. bei einem Kunden war und gefragt habe, ob ich rauchen darf. Und jetzt? Tolles Gefühl, so frei und unabhängig. Kein Druck mehr dafür zu sorgen, dass man am WE auch noch ausreichend Kippen hat usw. usf. 😉

    1. Noch mal herzlichen Glückwunsch, dass Du es geschafft hast. Dass Du damit abgeschlossen hast, dürfte nach der Zeit wohl klar sein.
      Natürlich finde ich es gut, so was aus dem Mund einer (ehemaligen) Raucherin zu hören. Mir geht es dabei ja auch nicht um das Runtermachen an sich, es geht mir um den Eindruck, den dieses kleine glühende Ding verursachen kann und bei mir verursacht. Selbstverständlich gibt es noch viele andere Dinge, die da mit reinspielen können (z.B. ungepflegte Klamotten oder Haare), aber mir fällt eben auch immer öfter auf, wie viel ehrlicher eine Zichte bei einem Anzugträger auf die Bildung schließen lässt als die richtig sitzende Krawatte.

      1. Danke, ich denke, ich bin drüber weg. Aber das haben wohl schon viele gesagt und haben dann irgendwann doch wieder angefangen. Manche nach Jahre des Nichtrauchens, für mich nicht nachvollziehbar, aber ich würde niemals nie sagen.

        Was hat dich zu deinem Eintrag bewegt? Ein bestimmtes Erlebnis oder einfach nur so ein Gedanke?

        1. Aber ich glaube, wenn man so lange davon weg ist, ist es ersten leichter, davon wegzubleiben, und fällt es zweitens leichter, damit aufzuhören, falls man doch wieder anfängt. Das ist jedenfalls meine Erfahrung im Kreis von Freunden und Familie.

          Vor allem die Tatsache, dass ich ne Pressemitteilung zum Thema geschrieben habe. Da bin ich über die Zahlen gestolpert und fand mein altes Gefühl bestätigt.

          1. Ich sach mal so: sollte ich beim Ausgehen mal Lust auf ne Kippe haben, rauch ich eine. Hab ich auf 2 Patys so gemacht, hat wunderbar geklappt. Is wie mit dem Alkohol, den trink ich ja auch nicht täglich. 😉

            Ja, man … hatteste ja auch oben geschrieben … ich Blööödiiii!

          2. Ich hab Berlin sehr lange nicht gemocht. Fand immer, dass es so ein ewig bettelnder Moloch war. Aber nach meinem ersten Besuch musste ich meine Meinung revidieren. Anders als z.B. in Hamburg kamen mir die einzelnen Stadtteile sehr lebendig vor. Ganz viele Ecken (Charlottenburg, Prenzlauer Berg) erinnerten mich an den Pott in einer Großausgabe. Schade, dass es da so wenige und vor allem so mies bezahlte Jobs gibt.

          3. Hört sich interessant an, leider war ich auch noch nie in HH, kann mir also keine eigene Meinung dazu bilden. Steht aber fest auf meinem Plan: Berlin und Hamburg. München auch gerne wieder.
            Ich mag auch sehr gerne das Berliner Dialekt hören … 😉

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