Ihr könnt stolz auf mich sein

Für regelmäßige Leser hier ist es nichts Neues, dass ich ein Held bin. Aber ich liege natürlich seitdem nicht auf der faulen Haut, sondern vollbringe auch weiter nahezu täglich Heldentaten. So zum Beispiel heute.

Ihr kennt doch sicher alle die Szene mit der Treppe aus Panzerkreuzer Potemkin. (Falls nicht, darf ich Dich, Captain, um ein kurzes Referat bitten?) Als ich nun heute von der S-Bahn nach Hause ging, sah ich vor einem Haus, wie eine Mutter an einem Kinderwagen rumfummelt, ihn vor der Tür schräg abstellte und dann ins Haus ging. Ich dachte mir nicht viel dabei, rechnete eigentlich damit, dass sie gleich kommen und den Wagen reinholen würde. Also ging ich weiter. Und hörte ein Juchzen aus dem Wagen. Plötzlich ein Ruck! Und der Wagen setzt sich, zunächst wie in Zeitlupe, in Bewegung. Rollt langsam an, immer schneller – natürlich in Richtung Straße. Schlauerweise hatte die Mutter den Wagen ungebremst gemäß dem Gefälle postiert, wie es jeder Seifenkistenprofi nicht besser hätte schaffen können, und dann auch noch in Richtung der nebenan liegenden Einfahrt. Also auch kein parkendes Auto als Hindernis! Ich sprinte vor, springe zum Wagen, blocke ihn erst mal, laufe herum und ziehe ihn gekonnt an den Griffen zurück zur offenstehenden Haustür. Das Kind sieht recht ruhig, beinah vergnügt aus, sagt keinen Ton. Aus dem Haus kommt mir derweil ein Mann entgegen.

Ich meine nur: „Das war aber knapp. Der Wagen war schon fast auf der Straße!“

Er bleibt seltsam ruhig, offenbar gehörte er gar nicht zur Familie, sondern war wohl eher ein Nachbar. Trotzdem übernahm er den Wagen und dann kam auch schon(!) die Mutter die Treppe aus der ersten Etage runter. Ebenfalls überraschend ruhig, während er ihr eröffnet, dass der Stammhalter soeben einen Asphaltausflug angestrebt hatte.

Tja. Wenn man es braucht, ist natürlich wieder kein Sensationsreporter vor Ort. Und diese seltsame Gelassenheit von Nachbar(?) und Mutter gibt mir auch zu denken. Wie groß wäre aber das Geschrei gewesen, wäre ich nur eine Minute später gekommen und im richtigen Moment ein Auto durch die Straße geheizt (was an der Stelle trotz Zone 30 erfahrungsgemäß oft genug vorkommt).

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22 Gedanken zu “Ihr könnt stolz auf mich sein

  1. Hmmm, ich will ihr ja nix böses unterstellen, aber …

    Also nicht dass die Mama jetzt sauer auf Dich ist,
    weil Du ihre Versuche, den kleiner Schreihals dauerhaft ruhig zu bekommen, sozusagen durchkreuzt hast.

    Oder es ist ein Spiel zwischen ihr und dem Nachbarn (?)
    und nun hast Du sein Heldentum untergraben.

    Neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee!
    Dottore, Du bist unser Held! Ich hoffe die Mama war entsprechend dankbar!

    1. Da hätte sie besser ein Kissen genommen. Oder ein Schild an den Wagen gestellt „Soll so“.

      ach, ich denke, sie hat die dimension gar nicht begriffen. sie hat ja nicht gesehen, wie dramatisch es war, denn als sie kam, stand ja nur ein fremder mit ihrem wagen und diesem ominösen nachbarn vor der haustür und sagte was.

  2. Entführt kann das Kind wohl auch nicht gewesen sein, sonst hätten die besser aufgepasst. oder war das Lösegeld schon kassiert worden…?

    Ähm… ist das dieser Film mit den Russen auf diesem riesigen Boot?

    1. Auch. Und mit der Treppe und dem Kinderwagen. Oft kopiert, zum Beispiel in The Untouchables. Und ich kenne sogar jemanden, der schon mal an der Originaltreppe gestanden war. 🙂

  3. Entweder sie hatte den falschen Stoff eingeworfen oder es ist ja relativ einfach neue Kinder zu machen – was solls?
    Ärgere Dich nicht, Du hast das toll gemacht. Held.

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