Kauf mich!

Online-Einkäufe sind fraglos was Feines. Wer zielgenau Dinge sucht, die er gern erwerben möchte, wird meist zügig fündig. Dabei hat man beste Möglichkeiten, Preise in der ganzen Welt zu vergleichen – wenn es sich angesichts der Versandkosten auch nur selten lohnt, eine Hose aus China oder ein Buch aus San Francisco kommen zu lassen. Trotzdem merke ich mehr und mehr, wie die Online-Shops eine Kaufkultur abwürgen, die vermutlich längst in den letzten Zügen liegt.

Zugegeben, eigentlich sollte ich perfekter Online-Kunde sein. Wie die meisten Männer habe ich üblicherweise VOR dem Kauf sehr genaue Vorstellungen, was ich haben möchte. Ohne Online-Shops stieß man da früher schnell an die Grenzen. Da hieß es oft genug: „Okay, das und das krieg ich nicht, aber das da sieht eigentlich viel interessanter aus!“ Die einzige Alternative war, nach Hause zu gehen, ohne überhaupt etwas zu kaufen. Das machte zwar weniger Spaß, sparte aber Geld im Vergleich zum Online-Shopping, wo man ja praktisch immer fündig wird, wenn man lange genug sucht.

Noch spannender war beim echten Einkaufen, Dinge zu entdecken, die man überhaupt nicht auf der Rechnung hatte. Dinge, die mit dem, was man eigentlich suchte, rein überhaupt gar nichts zu tun hatten. Sei es, dass man zufällig am Schaufenster eines Ladens vorbeikam, den man eigentlich gar nicht besuchen wollte. Sei es, dass man auf der Suche nach dem Wunschprodukt an einem Regal vorbeikam, in dem man plötzlich etwas total Aufregendes sah, das man sonst niemals gefunden hätte.

Sicher, auch Online-Shops versuchen da Lösungen anzubieten: „Kunden, die x kauften, kauften auch“ oder „Kunden, die y kauften, betrachteten auch“. Aber mal ehrlich, was ist das immer für ein schwachsinniger Algorithmus? Entweder sind die Verbindungen in Online-Shops offensichtlich (z.B. Handy + Handytasche oder alle Bücher eines Autors) oder die Verbindungen sind absolut abwegig, aber trotzdem unzutreffend. Gegen die menschliche Fuzzy Logic beim realen Einkauf kommt eben nichts an.

Nebenbei: Ans Anfassen, Riechen, Tasten, Drücken, Fühlen kommen Online-Shops eben auch nicht ran. aber das ist ja wieder ein anderes Thema.

Advertisements

27 Gedanken zu “Kauf mich!

  1. „Richtiges“ shoppen ist unschlagbar, weil man das Objekt seiner Begierde sofort mit nach Hause nehmen kann und nicht erst noch tagelang warten muss, bis es endlich da ist.

    1. Ja gut, auch da kommt es ja vor, dass etwas nachbestellt werden muss, weil die richtige Größe, Farbe oder Form nicht vorrätig ist. Aber selbst dann ist der reale Kauf noch etwas anderes.

        1. Besonders dreist finde ich Angebote, Dinge nur nachzubestellen, wenn man dafür eine Anzahlung leistet. Das wurde mir z.B. mal bei einem Paar Schuhe angeboten. 10 Euro sollte ich anzahlen, damit sie das Paar nachbestellen. Ich hab mich verabschiedet und woanders gekauft. Zustände … 🙄

          1. Ich überlege gerade, ob ich im Ausland schon mal Schuhe gekauft habe … hm … in London wollte ich mir mal Docs kaufen, da beim Covent Garden gab’s damals ein großes Doc-Martin’s-Store. Aber irgendwie hatte ich an dem Tag keine Lust auf Schuhekaufen. :))

          2. Das hatten wir schon mal, nicht wahr? Aber Du bist ja ein Mann, der wenigstens nicht immer nur braune oder schwarze Schuhe kauft. 😉

          3. Ich brauche übrigens dringend neue Schuhe. Müsste mal demnächst wieder auf die Jagd gehen. Online hab ich jedenfalls nix Hübsches entdecken können. :))

  2. Meiner Meinung nach ist es genau dieser Punkt: „Ans Anfassen, Riechen, Tasten, Drücken, Fühlen kommen Online-Shops eben auch nicht ran …“ (Zitat Totte), die das klassische Shoppen gegenüber den zahllosen Online-Shops überleben lassen wird. 😉

    1. Und trotzdem wird es für einen Händler nach dem anderen schwieriger. Vor allem bei Gütern, bei denen solche sinnlichen Erlebnisse relativ egal sind.

  3. Ich bin ein Voronlineshopper…momentan zumindest…

    Ich weiß, ich brauch was…schaue im Internet, vergleiche Preise…und gehe dann mit den Ausdrucken im hiesigen Geschäft bummeln…gefällt es mir in Natura auch noch, dann wirds gekauft, ansonsten eine Alternative gesucht…

    Und ja natürlich läuft dann das ein oder andere Zeugs mit, das nicht auf dem Ausdruck abgebildet ist… :>>

  4. Eine gute beratende Verkäuferin in einem netten Geschäft kann kein Online Shop ersetzten. Doch leider, leider sind solche Wesen in ebensolchen Geschäften so selten geworden. *seufz* Meist stört man ja die Unterhaltung von äußerst unfreundlichem Personal, sodass man lieber geht, damit die Gespräche weniger gestört werden… 😦

    Wenn ich weiß, was ich möchte, stöbere ich lieber online, da stör ich wenigstens niemanden. :I

      1. Wohl wahr (wenn man dafür Zeit hat)! 😉 Einfach etwas in die Hand nehmen oder an etwas schnuppern, das kann kein Online Shop vermitteln. Und daher wird es auch weiterhin Ladengeschäfte geben. :yes:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s