Ich muss den Drucker repapieren

Ach, wie war es doch immer schön, wenn es etwas von DM-Quadrat gab. Das muss sich auch M gedacht haben, der Hübschere der beiden Ms, als er neulich in einem bildgewaltigen Ausbruch sich zur Euro-Krise zu äußen berufen fühlte. Er griff sich aus seiner Schmuckdose den größten Diamanten – diesen einen dicken Brocken, ihr wisst schon, den schweren – und schnitt daraus ein Kunstwerk von unvergleichlicher Schönheit.

Mittels zweier Delphine, die aus dem Stein hervorwachsen, und einer fast leeren PVC-Flasche (ehedem mit einer Abart des Sambals befüllt) gelingt es dem Meister (Meister. Mit M wie M.), ein unverschämt brutales Stück an aktueller politischer Kritik anzubringen, weswegen das gute Stück auch „Die Euro-Quetsche“ benamst ist. Ich meine zu Recht, und damit stehe ich garantiert nicht allein auf dieser bemitleidenswerten Welt, die erst durch die qualitätvollen Arbeiten dieses Fluxusgottes ein klein wenig lebenswert wird. M, der ja nicht nur durch seine ungewöhnlichen Ticks seit Jahren aneckt, hat sich entschieden, die Euro-Quetsche ausschließlich als Installation zu präsentieren. Dazu hat er selbstpersönlich aus einer 12 cm mächtigen Platinplatte einen Untergrund gestaltet und eine von ihm eigenmächtig mundgeschöpften, chlorgebleichten und fußgerollten Küchenrolle, die das Kunstwerk zu einem göttlichen Szenario werden lässt, dass einem die Tränen des Glücks in die Augen schießen.

Guten Abend.

Aus einem einzigen Diamanten geschnitten wiegt die Euro-Quetsche immer noch rund 5000 Karat. Die Strahlung im Hintergrund wird durch Striche eines plutoniumverseuchten Eddings erzeugt.

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Wer hätte das gedacht? Auftragskunst!

DM-Quadrat, von denen an dieser Stelle länger schon nichts mehr zu lesen war, stellen neuerdings sogar Auftragskunst her! Vor fünf Minuten haben sie mir über ihr Satellitentelefon aus der Antarktis mitgeteilt, dass sie für die skurile amerikanische Millionärin Betty Muffin eine Sandschnecke kreiert haben, die in diesen Minuten am Südpol ankommen müsste.

Dort soll sie zehntausend Jahre im Eis liegen bleiben und anschließend an die Erben der übertrieben reichen Millionärin ausgehändigt werden. Vorausgesetzt die Antarktis ist bis dahin nicht weggeschmolzen und die Schnecke versunken. Also aufgepasst, Leute: Entsorgt Eure FCKW-Kühlschränke artgerecht und kauft Euch kein Haarspray mehr! Es geht um die Kunst!

Kunst wider den Zeitgeist – Aktuell und zu unerschwinglichen Preisen

DMQ, meine lieben Kunstfreunde, die Astronauten unter den Ästheten, die Dioskuren des Dritten Jahrtausends haben eines Tages von dem schrecklichen Unglück gehört, dass dem prominenten Hochseilartisten Vincent Gauguin widerfahren war. Gauguin, der wie jeden Morgen seiner geliebten Frau Paula auf dem Hochseilmotorrad die Brötchen vom Bäcker holen wollte, stürzte und verfing sich derart gemeingefährlich im Hochseil, dass er ein Ohr verlor. Ein wahrlich tragisches Schicksal, zumal das Ohr nicht wieder angenäht werden konnte. Als DMQ von diesem schrecklichen Unfall hörten, zögerten sie nicht lange, sondern beteiligten sich in der letzten Minute an der großen Benefiz-Vernissage in der Alpheide. Sie kreierten dieses Kunstwerk, das „Letzte Gedeck für Vincent Gauguin“, ein zweidimensionales Installations-trompe l’œil, das man sich an jede Wand hängen kann.

Das ruhende Zentrum des großen Kunstwerkes wird eingenommen von einem massiven Eichentisch, wie ihn jede südfranzösische Familie ihr eigen nennt, so auch die Gauguins. Auf dem Eichentisch ruht das Essen, völlig unprätentiös ist es ohne jede Tischdecke serviert. Flaschen stehen da, sie sind leer, aus ihnen wird nicht länger getrunken, auch eine leere Fischdose unterstreicht diese Symbolik des Verlustes. Vor dem Tisch liegt eine einzelne Radkappe. Sie ist Anspielung auf den Teller, der auf dem Tisch fehlt und Zeichen der körperlichen Einbuße zugleich. Wie oft sind nicht Ohren in Lied und Gedicht bereits mit Radkappen verglichen worden? Mir fällt gerade keines ein, ich bin mir aber sicher, dass ich schon Dutzende vorgetragen bekam. Schräg im Bild, kaum kenntlich ruht eine tückische Trennschleiferscheibe. Ihr Sinn ist uns allen klar, auch auf diesem Bild. Ohne Zweifel: DMQ haben hier wieder Großes erschaffen. Die Gauguins waren so gerührt, dass sie von dem vielen Geld der Benefizveranstaltung so überraschend eine Reise in die Südsee antraten, dass sie glatt ihre zwölf Kinder vergessen haben, die noch heute im Waisenhaus Nienburg auf sie warten.

Künstliche Kunst künstelt nicht!

„Keramikkotze“ war der erste Gedanke, den ich beim Betrachten dieses Frühwerkes von DM-Quadrat hatte, die damals genau genommen noch nur M-Quadrat hießen, weil D noch nicht zu dem Trio gehörte. In Wirklichkeit handelt es sich natürlich um ein sorgfältig gelegtes Arrangement.

M und M haben hier vier Dutzend Betonscherben in einer aufwendigen Geheimprozedur grau eingefärbt und mit einem rosa getönten Pritt-Stift auf einem selbst gefertigten Lackplanum mit den Ausmaßen von 100 x 100 m dauerhaft fixiert. Dynamik in Reinkultur, der Irrsinn des Lebens, ja sogar eine gewisse Ordnungsliebe ist in der Gestaltung zu erkennen. „Alles in Trümmern, auch die Welt“ so der kühne Titel dieses Werkes, mit dem sie letztes Jahr beim Turnerpreis einen guten zweiten Platz erreicht haben. Das ist umso bemerkenswerter, als dass jeder verständige Kunstliebhaber weiß, das stets nur schwachsinnige Weicheier den Turnerpreis erhalten haben. „Wir wollten damals wissen, wo wir international stehen“, erklärte mir M in einem mehrstündigen Interview, das er mir trotz seines vollen Terminkalenders auf der größeren seiner beiden wohlverdienten Ranches in Aspen gewährte. Hier hat er inzwischen begonnen, homosexuelle Auerochsen zu züchten, deren Kot er vorsorglich für zukünftige Kunstprojekte in mehreren fußballplatzgroßen Lagerhallen sammelt. Darauf bin ich schon sehr gespannt und ich glaube sagen zu dürfen, dass die Welt DM-Quadrat dankbar zu den Füßen liegen müsste.

Kunst ist tot? Tod ist Kunst!

Hier wohnt ein Kaninchen. Es lebt zwar nicht mehr, aber nun wohnt es auf ewig im Sand. DM-Quadrat, die Könige der Könige der künstlichen Kunstszene haben ein neues Meisterwerk geschaffen.

Für das „Kaninchen in Aspik“ haben sie eine Exkursion von der Freiluftgalerie Eilvese unternommen und sind zur Clausewitz-Kaserne nebenan gefahren. Dort haben sie sich einen Panzer ausgeliehen – was ein anständiger Haarschnitt so alles ermöglicht! – und sind mit diesem Panzer über ein lebendes Kaninchen gefahren. Also am Anfang hat es noch gelebt. Irgendwann dann nicht mehr. Zwei, zehn, fünfzig, hundert Mal über das kleine pelzige Ding und heraus kommt ein Kunstwerk, das der Ewigkeit trotzt. Ausgestellt wurde es in einer Sandgrube, nach der sich die meisten Hartz-IV-Empfänger die Finger lecken würden. Das ist modern. Das ist Sozialkritik. So und nur so muss Kunst sein. Auch und gerade heute in diesen schlimmen Zeiten.
(Um allen Tierschützern den Wind aus den Segeln zu nehmen: Es handelte sich um ein lebensmüdes Kaninchen, das zuvor noch sein Testament gemacht hat, in dem es all seine Habe den 237 Hinterbliebenen vermacht hat. Zuvor hatte es sich erfolglos bei diesem Plastinator beworben. Außerdem ist das Kaninchen zugleich eine Ente.)

Jeder gute Künstler hat einen guten Stammbaum, äh, -tisch

Ich möchte Euch die Ecke vorstellen, wo DM-Quadrat sich heimisch fühlen. Hier können sie Mensch sein. Hier können sie Künstler sein. An dieser Stelle können sie entspannen, einen Tee oder Kaffee trinken und selbst eine Patrone Bier erwartet die Künstler zu mancher Zeit. Es ist der Stammtisch von DM-Quadrat.

Das geschulte Kennerauge erkennt sofort, die ehrgeizigen Künstler haben ihren Stammtisch mit ihren eigenen Händen erschaffen. „Die kamen einfach in meine Kneipe“, so Gerfried Hempelmann, „haben mein Wandbild vom Reichs-, äh, Bundeskanzler von der Wand gerissen und plötzlich sonne Holzscheibe da hingeknallt. Dann hamse gesacht ‚Das is getz n Stammtisch‘ und ‚Schnauze Du Arsch!'“ Es ist nun raus, alle wissen: DM-Quadrat sind auch große Poeten. Goldschmiede des gesprochenen Wortes, denen liebliche Ambrosia aus den Mündern und süßer Nektar aus den Füllfederhaltern fließt, wie man bereits am Schwung der Buchstaben im Wort „Stammtisch“ erkennen kann. Das ist Kunst. Das ist ein Stammtisch. Das ist aktuell, zeitkritisch und liebenswert. Mir fehlen die Worte, ich muss weinen vor Glück. Hoffentlich erlebe ich noch den Tag, an dem ich zusammen mit DM-Quadrat hier einen heben kann.

Kunst ist Kunst ist Kunst ist Kunst

Eine Installation, die die absolute Ruhe darstellt, möchte ich heute zeigen. „Schaufel auf Spaten“ so der Name dieses gewagten Stücks moderner Kunst.

Das gesamte Ensemble wurde mit freundlicher Unterstützung der VW-Werke Braunschweig in Kunstharz gegossen und letzte Woche im Marianengraben versenkt. Zur Arbeit mit Arbeitsgeräten haben DM-Quadrat übrigens gefunden, nachdem sie den schwarzen Dan beim Unterwasser-Origami erreicht hatten und ihnen die Arbeit mit aufgeweichter Zellulose nicht mehr die gewünschte Befriedigung verschaffte, etwas Dauerhaftes zu erschaffen. Ich weiß, Ihr werdet mich nun darauf hinweisen, dass auch die kultisch zerstörten Installationen „Arbeit ohne Arbeiter“, „Das armselige Würstchen Jonathan Meese ist endneidisch auf DM-Quadrat“ und „Holz“ nicht dauerhaft sind. Sie sind es aber in den Herzen der Künstler und in den Herzen der Menschen, die als geladene Gäste dem Schauspiel, ja ich möchte sagen: dem Naturschauspiel beiwohnen durften, das die Destruktoren im November entfesselt haben. Es waren erhebene Momente, von der ersten Sekunde an, und mir standen Tränen in den Augen. Tränen vor Glück, weil ich dieser wundervollen Gelegenheit teilhaftig werden durfte. Noch heute, wenn ich davon schreibe, habe ich einen Kloß im Hals – es tut mir leid: Ich muss an dieser Stelle abbrec