Ich bin Aal blau

Passepartout und ich wünschen euch frohe Weihnachten und einen rasenden Ritt auf dem wilden Weihnachtshasen. Howdie!

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Nikolaus hat ne Kinolaus

Siehst du, armes Tierchen, das Herz der Frauen wie der Katzen ist ein Abgrund, den weder Männer noch Katzen* je ergründen können.

Henri Murger

* Ob das ein Übersetzungsfehler ist? Ob es hier im Original Kater heißt?


Es ist mit den Deutschen wie mit den Frauen, man gelangt bei ihnen nie auf den Grund.

Umberto Eco

Hamsterdam

Die Welt ist doch verrückt, ganz besonders was Richter angeht, die sich einbilden Stalker zu stellen, wo keine im Gebüsch sind.

Ich sollte vorn anfangen. Ihr wisst, ich bin begeistert von der Vorstellung, im Guinnesbuch der Rekorde zu stehen. Mit dem Blogeintrag, der die meisten Kommentare enthielt, ist es mir bereits gelungen (Lilith weiß, wovon ich rede). Nun hatte ich neulich den Wunsch, einen Rekord in Dauerfesthalten aufzustellen. Dazu sprach ich eine Dame in einem Café an, die sich begeistert zeigte von der Idee, ihren Namen an der Seite meines Namens in einem Buch zu finden. (Sie brabbelte irgendwas von verstorbener Oma und Berühmtheit für 15 Minuten, aber das war mir zu öde, also hörte ich ostentativ weg und begutachtete gelangweilt die Fahrgestelle anderer Damen, wenn ihr wisst, was ich meine. Egal.)

Die junge Dame willigte ein und begleitete mich zum Ort des Rekords. Also quasi dem Rekordort, was nebenbei ein ziemlich dämlich zu klingendes Wort ist. Das wollte ich mal erwähnt haben in diesem knoblauchten Kreise. (Sorry, aber man riechts bis nach Totte Mansion. Und ich hab gestern keinen Knofi gegessen, nur ein großes Stückchen von dieser ungarischen Salami, in der aber ganz gewiss kein – ach, das tut jetzt auch nichts zur Sache!) Okay. Ich also auf die Bühne, so edles Parkett in echt. Das Dämlein vor mir. Ich nehm sie in den Arm, sie schlingt ihre barhäutigen Tentakel über meine Schulter und stiert mir tief in die Augen. Erst dachte ich: Gleich schläfste ein. Dann dachte ich aber: REKORD! DU MUSST DEN REKORD AUFSTELLEN! Und dann ging es los.

Die erste Stunde. Die zweite Stunde. Die dritte und die vierte Stunde. Und ich glaube, dann begann sie schon zu quengeln. Wo denn der Mann vom Guinnesbuch bliebe. Und die Presse. Außerdem, müsse nicht auch son Notar anwesend sein, der die Stoppuhr eicht und so? Ich dachte echt, ich dreh am Rad! Da will man bloß ein bisschen berühmt werden und was ist? Man muss reden! Ich sags euch, ich war kurz und dran, den Rekordversuch abzubrechen! Das war ja schlimmer wie ne Familienfeier! Aber ich hielt durch.

Am zweiten Tag wurde es erstmals richtig unangenehm. Ihr kennt ja alle die Frauen. Seid womöglich sogar selber eine. Sie wollte aufs Klo. Beim Rekordversuch. Ja hallo? Gehts noch? Aber ich ließ mich breitschlagen. So eng werden die Guinnesser das ja wohl nicht sehen. Außerdem war immer noch nix vom Notar zu sehen. Im Zweifelsfall hätte das also sowieso keiner mitbekommen. Sie kam zurück und schlang weiter. Also mich. Über die Schultern. Und wieder: reden. Ich gab derweil Passepartout, was mein Wingman ist bei heißen Anmachen, so Zeichen, er möge mir Ohropax bringen. Aber der kalte Puffer bekam nix mit. Hatte vermutlich Augopax drin.

Ach, wisst ihr was? Ich machs kurz. So ging das noch 61 Stunden weiter. Denn nach fünf Tagen konnte sie schon nicht mehr. Während ich natürlich Bäume hätte ausreißen können. Aber ich dachte: Wo du schon mal aufhören musst, kannste dich auch ein wenig aufs Ohr legen. Tja, und dann wach ich nach ner Woche auf und padautz! Hab ich ne Vorladung vor Gericht von wegen Stalking. Das feine Frollein behauptet jetzt, es sei alles bloß ein gemeiner Vorwand gewesen, sie tagelang antatschen zu können. Als ob ich das nötig hätte.

Dreckstück! Aber ich bin ja selber schuld. Es hätte mir schließlich schon komisch sein müssen, dass sie sich von so Schmierlappen wie mich im Café überhaupt ansprechen lässt.

Kennt jemand nen guten Anwalt?

Stunde 73 beim Rekordversuch. Bis brauchten wir erst eine einzige Pinkelpause. Nicht auf dem Bild: Passepartout, der gerade einen Aufnehmer holt.

Nichts zu bemöngeln

Gestern in der Bahn.

Ein junger Vater sitzt mit seiner vielleicht dreijährigen Tochter in der Bahn. Sie spackt die ganze Zeit herum, hat auffallend gute Laune. Der Vater ist angenehm gelassen dabei. Irgendwann packt er eine Mandarine aus und fängt an, sie für die Tochter zu pellen.

Plötzlich ruft sie laut vernehmlich und gespielt empört: „Papa! Du kommst ins Gefängnis, weil du dein Kind mit Mandarinen fütterst!“ – „Findet du sie so schlimm?“ – „Nein.“, amüsiert sich das Kind lachend und grinst bis über beide Ohren.

Sie isst ein paar Stücke, lacht wieder los: „Mandarinen sind ja so ein bisschen sauer.“ – „Ja.“ – „Ja und sauer macht doch lustig, Papa.“