Da soll man nicht zum Terroristen werden

Lieber Herr Grube,

zum Ausklang eines Jahres mit lauter pünktlichen Eisenbahnen zu einem wahren Schnäppchenpreis möchte ich mich noch mal ausdrücklich bei den wundervollen Mitarbeitern Ihres Unternehmens bedanken, die das Leben einfach lebenswerter machen. Ich wundere mich, wie Sie es Tag für Tag schaffen, Millionen Gäste und Transporteure in zufriedene Menschen zu verwandeln, die so glücklich wie die Schlümpfe sind, wenn der böse Schelm Gargamel mal wieder verloren hat. Dürfen wir Sie wohl ein bisschen auf unseren Schultern durch die Straßen tragen?
Ich freue mich schon inbrünstig auf den Tag, wenn die Bahn an die Börse geht, weil ich dann nämlich jeden sauer ersparten Cent in Ihren Hochleistungsbetrieb stecken werde, der besser einfach nicht angelegt sein kann. Mit ein bisschen Glück wird es bis dahin in der Bravo auch endlich einen Starschnitt von Ihnen geben, den ich mir dann im Wohnzimmer aufhängen kann.
Bitte weiter so!

Ihr Sie aufs Äußerste verehrende
DocTotte

PS: Bitte, lassen Sie mich Ihnen eine Lastwagenladung feinster Confiseriewaren zukommen, um Ihnen gegenüber meine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen.

Grube, Du überbezahlte Hackfresse!

Danke, dass die Sklaven Deines Pennerladens mich in den letzten Stunden dieses Jahres noch einmal nachdrücklich mit einer ausfallenden Bahn und mit mehrstündigen Umwegen plus Umsteigen als einziger Alternative daran erinnern mussten, dass Du Blödmann offenbar ein verkrustetes Zentralkomitee voller Hirnis leitest und kein modernes Transportunternehmen.

Ich muss Silvester nicht in K-Town feiern, ich kann auch hier Spaß haben. Selbst wenn ich gerade auf dem Heimweg feststellen musste, dass meine Stammkneipe ihre angekündigte Silvesterparty aus unerfindlichen Gründen abgeblasen hat und geschlossen ist. Vermutlich habt ihr den Wirten ne anständige Summe Geld geboten, um mir das auch noch zu vermiesen. Aber da hast Du Dich geschnitten.

Ich verachte Arschlöcher wie Dich
DocTotte

PS: Den Regenschirm, mit dem ich Dich nachts auf der Straße überraschen werde, werde ich Dir im Hintern aufspannen. Freu Dich schon mal!

So, welchen von beiden Entwürfen soll ich der Bahn schicken? :>

Simone de Behavior

Erinnerung an 1 Bekannte, die während 1 Seminars darauf bestanden hat, mit mir mal zechen zu gehen: B. Keller – von böswilligen Gesellen grundlos „Killer“ genannt – zeigte mir u. a. 1 feines Lokal am Nord-Ostsee-Kanal. Ich bestellte – damals vertrug ich die Plörre noch – 1 Weizenbier. Die Kellerin brachte es und B. gab an wie 1 Sack Seife, sie könne es profimäßig einschenken, seit sie mal gekellnert habe.

Das Ende vom Lied war 1 halbvolles Glas & 1 nasse Hose. Meine Hose.

Ich habe eine Mogigrafie!

Es ist schon ein halbes Jahr her, da hab ich mal etwas darüber geschrieben, wie man in manchen fremden Gesichtern das Gesicht eines Freundes oder einer Freundin zu erkennen glaubt. Einzelne Elemente täuschen eine Ähnlichkeit vor, die der objektive Betrachter nie sehen würde.

Fast genauso lange schon habe ich vor, zu diesem Aspekt unseres Hirns weiteres zu beschreiben. Ich „er“-kenne nämlich nicht nur in fremden Gesichtern mir bekannte Züge, sondern habe diesen Effekt auch bei Landschaften.

Es gibt auf dem Weg, den ich täglich pendle, mehrere z. T. sehr unterschiedliche Landschaftszüge, die mich an Landschaften aus allen möglichen Ecken erinnern. Zum Teil sind es Landschaften, die ich täglich gesehen habe, zum Teil aber auch solche, an denen ich nur ein einziges Mal in meinem Leben vorbeigekommen bin.

So gibt es in Düsseldorf einen Bahnhof, der mich frappant an einen Ort in Schwerin erinnert (in der Nähe hab ich bei einem Chinesen gegessen, das weiß ich noch). Das Alberne: In Schwerin gibt’s da nur eine Straße, keine Gleise. Und die Straße führt südlich an einem See vorbei (es ist nicht der See mit dem Schloss), in Düsseldorf ist analog zur „Seeseite“ nichts als etwas sehr Flaches, das zu den Gleisen hin zugewachsen ist (es könnte eine Wiese oder ein Bolzplatz o. Ä. sein).

Eine andere Stelle auf dem Arbeitsweg ist ein niedriger, aber scharfer Höhenzug, der südlich der Ruhr aus dem Boden bricht. Er erinnert mich jedes Mal, wenn ich ihn sehe, an die Jungmoräne mit dem Kieler Berg. Das war der Höhenzug östlich des Dorfes in Schleswig-Holstein, das ich lange bewohnt habe. Zum Kieler Berg bin ich manchmal wochenends um 4 oder 5 Uhr morgens mit dem Fahrrad gefahren und hab den stillen Wald am frühen Morgen genossen (etwa so, wie die Mücken mich dann genossen haben, diese Mistviecher!).

Was ist es nun, was das Hirn da macht? Warum ergänzt es Bruchteile unserer Wahrnehmung mit Puzzlestücken aus unserer Vergangenheit? Diese Funktion, die beim Lesen noch praktisch ist, weil man auf diese Weise Wörter lesen kann, die total falsch geschrieben sind – bekanntermaßen reicht es ja sogar, wenn nur die Anfangs- und Endbuchstaben rhcitig geschrieben sind – hat doch für Gesichter und Landschaften nur wenig Sinn. Bon, bei Gesichtern hilft es meinethalben noch, Leute wiederzuerkennen, die man lange nicht gesehen hat und die sich stark verändern haben. Was aber nützt es mir, überall in der Weltgeschichte Landschaften wiederzuerkennen, die in Wirklichkeit ganz andere sind? Soll es eine beruhigende Vertrautheit herstellen? Ist es unsere Sehnsucht nach Bekanntem, um uns in Sicherheit zu wiegen?