Laxdoela Saga (Die Saga von den Leuten aus dem Laxardal)

Januar 27th, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Neuübersetzung einer der schönsten Sagas, wenn nicht der schönsten Saga. In der Laxdoela geht es um die Erzthemen menschlicher Erzählung: Liebe, Enttäuschung, Rache, Mord, Totschlag. Es geht – nicht nur, aber mit Schwergewicht – um die Dreieckskonstellation Guðrún, dem schönen Kjartan und seinem Ziehbruder Bolli. Guðrún wird durchgehend als sehr treibende Kraft geschildert, sie nutzt die Möglichkeiten ihrer Zeit – und das sind nicht wenige im Vergleich zu mittelalterlichen Frauen auf dem europäischen Kontinent. Die Laxdoela ist summa summarum eine Saga, die auch dem Nichtskandinavisten durch und durch zu empfehlen ist.

Philip Roth, Der menschliche Makel

Januar 25th, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein hochinteressantes Weihnachtsgeschenk war dieses Buch. Ich hatte bisher noch nichts von Roth gelesen und war daher sehr gespannt. Die Geschichte handelt von Coleman Silk, einem Mann, der sein Leben sehr früh auf einer gewaltigen Lüge aufgebaut hat (die ich hier natürlich nicht verraten werde), über die er letztlich irgendwie in mehreren Schritten stolpert.

Eine Sache hat mich irgendwie gestört: Die Geschichte ist größtenteils für mich uninteressant. Viel zu viel Probleme alter Männer werden hier gestreut und gewälzt, an die ich derzeit zum Glück keinen Gedanken aufwenden muss. So gesehen würde ich, nach dem Unterschied zwischen Roth und Franzen gefragt, behaupten, dass das Thema bei diesem Roth langweiliger ist, als bei jedem bisher gelesenen Franzen. Aber ich muss zugeben, dass Roth der stärkere Schreiber ist. Kann man bei Franzen nicht aufhören zu lesen, weil vor allem die Geschichte einen so packt, egal welches Thema er behandelt, ist Roth (und auch sein Übersetzer Dirk van Gunsteren natürlich) ein sprachlicher Hochleistungsverdichter. Und davor habe ich wirklich Hochachtung!

Lautréamont, Das Gesamtwerk: Die Gesänge des Maldoror. Dichtungen. Briefe

Januar 23rd, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Mein Schatz! Eins der schönsten Bücher, die ich besitze. Eine wundervolle Ausgabe (Rowohlt!) der Texte des Isidore Lucien Ducasse, der sich unter dem Pseudonym Lautréamont in die Geschichte der Literatur eingeschrieben hat. Kraftvolle, wunderbar poetische Texte in der Übersetzung von Ré Soupault, der Frau des Surrealisten Philippe Soupault.
Gegen Lautréamont ist Baudelaire ein feuchter Froschfurz. Wer starken Tobak sucht, wird daher mit Maldoror mehr als zufrieden sein.

Johann Michael Kühn u. a., Gefangen unter Korsaren. Deutsche Seeleute in der Gefangenschaft algerischer Seeräuber

Januar 21st, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Bereits des Öfteren habe ich von Büchern aus der Edition Erdmann berichtet. Hier handelt es sich um einen Sammelband, der drei Geschichten deutscher Seefahrer enthält, die im 18. bzw. 19. Jahrhundert in die Hände von Korsaren gekommen und teils erst nach Jahren wieder in die Freiheit gelangen konnten. Oft sehr spannend und eine gute Ergänzung zu Oppermanns Hundert Jahre.
Die Texte beinhalten Erzählungen aus dem Leben von Johann Michael Kühn, Johann Friedrich Keßler und Simon Friedrich Pfeiffer.

Jónas Kristjańsson, Eddas und Sagas

Januar 19th, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Das ist die Bibel für jeden, der sich für Sagatexte interessiert. Jónas hat akribisch die mittelalterlichen Texte Islands und Festlandskandinaviens zusammengetragen, beschrieben, besprochen und erklärt. Ein Muss, wenn man mehr über die Materie erfahren möchte. Obwohl ich längs damit begonnen habe, Fachbücher aus der Studienzeit zu veräußern, werde ich dieses Buch fraglos noch ein wenig weiter in meinen Regalen wohnen lassen.

Karl Kraus, Die letzten Tage der Menschheit

Januar 17th, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich weiß gar nicht mehr genau, bei welcher Gelegenheit ich Kraus entdeckt habe. Ich glaube fast, ich hatte irgendwo das Zitat gelesen: „Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht den Journalisten.“
Je nun. Ich besorgte mir eine Sammlung von Kraus-Aphorismen, Fackel-Nachdrucke und schließlich auch sein bekanntes Drama: Die letzten Tage der Menschheit.
Es ist schon 20 Jahre her, dass ich diese Abrechnung mit den Menschen gelesen habe, sie wirkt aber als kräftiger Text nach. Kraus hielt das Stück für nicht aufführbar. Inzwischen sind aber einzelne Teile auf die Bühne gelangt.

Kin Ping Meh oder die abenteuerliche Geschichte von Hsi Men und seinen sechs Frauen

Januar 15th, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein weiteres Buch aus dem Trio chinesischer Klassiker zusammen mit dem Traum der Roten Kammer und den Räubern vom Liang Schan Moor. Es ist ein furioser, ein abenteuerlicher Ritt durch Chinas Kaiserzeit und jedem zu empfehlen, der so regelmäßig und gern asiatisch essen geht wie ich.

Imre Kertesz, Ich, ein anderer

Januar 13th, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Dieses Buch, in dem Kertesz seine persönliche Erlebnisse und Veränderungen in den frühen 90ern fragmentarisch beschreibt, hat für mich einen besonderen Wert. Ich bekam es, als ich diesem auffallend sympathischen Mann bei einer Lesung besuchte. Selbstverständlich habe ich es mir signieren lassen und wertschätze es dementsprechend sehr. Als er Jahre später den Nobelpreis bekam, freute ich mich sehr für ihn. Er ist einer der wenigen Autoren, dem ich diesen Preis aus vollem Herzen gönnen kann, einfach weil er ihn verdient hat.

Imre Kertesz, Der Roman eines Schicksallosen

Januar 11th, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein großartiges Buch. Eins der wenigen Bücher, die ich auf Anraten der Kritik Reich-Ranickis erworben und dann auch noch grandios gefunden habe. Der spätere Nobelpreisträger Kertesz entwirft in diesem Buch die Geschichte eines Jungen, der in ein KZ kommt, aber von Tag zu Tag lebt und stets nur das Beste annimmt. Er kann (oder will) nicht verstehen, was um ihn herum passiert, findet für alles und jedes Entschuldigungen. Diese ungewöhnliche Perspektive hebt das Buch weit aus dem üblichen Kanon heraus, es lässt Dinge schildern, die eigentlich unaussprechbar sind.
Nach der Lektüre habe ich es einer befreundeten Lehrerin empfohlen, die es im Geschichts-Leistungskurs gelesen hat. Ich bekam mit, dass Kertesz damals in Berlin ein Stipendium hatte, und empfahl ihr, die Schüler einen Brief schreiben zu lassen. Das taten sie auch und bekamen zunächst lange keine Antwort. Immer fragten sie nach, ob er schon geschrieben hätte, bis sie selbst daran zweifelten. Aber genau zu der Zeit kam von ihm ein unglaublich persönlicher und freundlicher Brief, in dem er sich sogar für die Verzögerung entschuldigte und sich bei den Schülern sehr für das große Interesse bedankte.

Man kann es kaum anders sagen: Kertesz ist eher eine Art wunderbares Gesamtkunstwerk.

Erich Kästner, Der 35. Mai

Januar 9th, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Zusammen mit dem Wilhelm-Busch-Buch eins der ältesten Bücher, die ich noch besitze. Ich habe es zu Grundschulzeiten verschlungen – etwa zu der Zeit, als ich in der Welt der Buchstaben versunken bin. Dank sei Kästner, der hier einen Parforceritt durch die Welt der Fantasie gestaltet. Allen Eltern zu empfehlen, die ihren Kindern was Gutes vorlesen möchten.

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